Wie das SM58 selbst die härtesten Tests besteht

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Das SM58 gilt nicht zuletzt wegen seiner enormen Robustheit als das Mikrofon, das problemlos mit allen nur denkbaren Herausforderungen fertig wird. Soren Pedersen von Shure erzählt uns heute ein paar Geschichten über die Widerstandsfähigkeit dieses Mikros.

„Unser Sänger steht darauf, sein Mikro zu schwingen. Es war bei einer Hausparty und über uns rotierte der Deckenventilator. Das Mikrofon geriet in den Ventilator, verhedderte sich und wurde zwei- bis dreimal im Kreis geschleudert, bis es endgültig feststeckte. Der Ventilator hakte kurz und rotierte dann zurück, wobei er das Mikrofon quasi enthedderte und es auf den Boden schlug. Der Korb war beschädigt, aber das Mikrofon funktionierte nach wie vor. Der Ventilator hat jetzt allerdings eine gewisse Unwucht.“ (Anonymer Beitrag im reddit/Audio Engineering Thread „Let’s Hear Your SM57/58 Survival Stories” aus dem Jahr 2012)

2016 wird diese Audiolegende, die für ihren Sound und ihre Robustheit weltberühmt ist, 50 Jahre alt. SM58 Geschichten wie die oben genannte gibt es zuhauf und wir haben im Laufe der Jahre viele davon gehört.

Um zu verstehen, wie das SM58 dieses hohe Level an Qualität und Zuverlässigkeit halten kann, haben wir das Qualitätslabor (Quality Lab) besucht. Nach Aussagen des früheren Chefingenieurs Yuri Shulman haben die Standards, die hier begründet wurden, dafür gesorgt, dass wir heute „das beste Mikrofon haben, das wir je gemacht haben“.

Qualitätstests – damals und heute

In 1960ern testeten die Designer des SM58 Hunderte unterschiedliche Kombinationen an Membranen, Schwingspulen und Magnetteilen. Um die Prototypen widerstandsfähig zu machen, musste jeder von ihnen zahlreiche heftige Qualitätstests bestehen. Sie wurden hinunter geworfen, gekocht, gefroren, in Wasser getaucht, hohen Schallpegeln ausgesetzt und in jeder nur denkbaren Art und Weise malträtiert. Danach wurden die Prototypen weiter verbessert. Als Ergebnis brachte Shure im Jahr 1965 zwei SM Mikrofone auf den Markt, das SM56 und das SM57. Das SM58 folgte ein Jahr später.

Jetzt spulen wir 50 Jahre vor und befinden uns im heutigen Shure Qualitätslabor (Quality Lab), ein 6.000 m² großes Gebäude direkt neben dem Shure Headquarter in Niles bei Chicago. Hier werden in einem reflexionsfreien Raum immer wieder Qualitätsaudits für alle Mikrofone durchgeführt. Der Frequenzgang wird dabei auf vier verschiedenen Achsen gemessen, um sicherzustellen, dass auch wirklich alle Spezifikationen erfüllt werden.

Wenn dann Änderungen von bestimmten Komponenten oder beim Herstellungsprozess vorgesehen sind, müssen die Mikrofone die folgenden Tests bestehen:

  • Stand Drop Test
    Hierbei wird das Mikrofon zunächst auf einem Mikrofonstativ befestigt und dann auf einen harten Boden fallen gelassen. Das Ganze geschieht aus verschiedenen Winkeln.

Drop Test

  • Hand Drop Test
    Das Mikrofon wird von einer Maschine aus beträchtlicher Höhe auf einen harten Untergrund geworfen. Ein Soundcheck des Mikros erfolgt nach jedem Sturz, ebenso wird untersucht, ob ein mechanischer Schaden vorliegt.
  • Salt Fog Test
    Das Mikrofon wird über längere Zeit einer hohen Salznebel-Konzentration ausgesetzt. Dies soll sicherstellen, dass es nicht rostet oder unter salzigen Bedingungen schlechtere Ergebnisse liefert.
  • Perspiration Test
    Das Mikrofon wird für mehrere Wochen in eine synthetische Schweißlösung höherer Temperatur getaucht, dies soll ein Worst-Case Szenario darstellen und dafür sorgen, dass es seine Spezifikationen auch bei enormer Beanspruchung erfüllt.

Moisture Test

  • Heat/Cold Test
    Das Mikrofon wird über einen längeren Zeitraum erst extrem niedrigen und dann extrem hohen Temperaturen ausgesetzt. Seine akustischen Eigenschaften werden während dieser Tests in regelmäßigen Intervallen geprüft.
  • Temperature Shock Test
    Das Mikrofon durchläuft mehre Zyklen, in denen es enorme Temperaturschwankungen (sehr warm, sehr kalt) durchstehen muss. Seine akustische Performance wird permanent gecheckt.

Seit der Einführung des SM58 gab es 19 wesentliche Verbesserungen und jedes Mal musste das Mikrofon alle diese Tests bestehen.

Nach Aussage von Quality Engineer Ken Fadera, garantieren die rigorosen Tests im Quality Lab nicht nur die weltberühmte Robustheit des SM58, sondern auch eine konsistente Klangqualität. „Die Qualitätsstandards basieren auf militärischen Vorgaben, wobei Mr. Shure auch nach dem Ende des zweiten Weltkriegs an diesen strengen Auflagen festhalten wollte“, erklärt Ken. „Und das tun wir noch heute. Wenn du ein Shure Produkt kaufst, kannst du sicher sein, das widerstandsfähigste überhaupt zu bekommen.“

Und noch mehr Geschichten…

Im Jahr 2009 produzierte Shure eine Reihe von Shure Mike Videos. In diesen unterzog Mike Lohman, Global Marketing Director, unter Mithilfe einiger willigen Kollegen, Künstler und Sportler mehrere SM58 einer Reihe von Challenges. Dabei wurden sie aus einem Hubschrauber geworfen, in Guiness getaucht, beim Eishockey als Puck missbraucht und vieles mehr.

Und während diese waghalsigen Stunts dem SM58 doch eine gewisse Robustheit attestieren, gibt es keinen schöneren Beweis, als zu sehen, wie das SM58 selbst mit den widrigsten Situationen klar kommt. Hier ein paar Beispiele:

Unter Feuer

Die Zukunft der Post-Punk Band Kill Hannah aus Chicago sah 2008 mehr als rosig aus, als sie während ihrer ersten Tour im Ausland zwischen Europa und UK unterwegs waren. Sie hatten gerade ihr fünftes Album veröffentlicht und waren in den Schweizer Alpen unterwegs Richtung Paris als sich unter ihrem Doppeldecker-Tourbus ein Feuer entwickelte. Der Bus ging förmlich in Flammen auf. Hilfe traf erst nach einer Wartezeit von 45 Minuten ein, in dieser Zeit war der Bus den Flammen bereits vollständig zum Opfer gefallen. Band und Crew kamen unverletzt und mit dem Schrecken davon, allerdings war alles, was sich im Bus befand, aufgrund der immensen Hitze geschmolzen (Geldbeutel, Kleidung, Telefone, Equipment, Gepäck).

Die Band musste die nächsten Gigs canceln und setzte ihre Tour in England fort, als das Ersatz-Equipment eingetroffen war. Ein weiterer Überlebender des Feuers: das SM58 der Band, verkohlt und verräuchert, aber funktionstüchtig.

SM58 - verkohlt

SM58 – verkohlt

Fund in Neufundland

„Was ist das für ein Ding?“

Das war die Frage, die sich Doug Ryan stellte, als er eines Tages im Jahre 2005 in seiner Heimat Neufundland auf dem Weg nach Hause war. Da lag tatsächlich etwas mitten auf der Straße, was wie ein Mikrofon aussah.

„Als ich näher kam, konnte ich erkennen, dass es ein Shure Mikrofon war“, sagt Ryan. „Ich beschloss, anzuhalten und zu schauen, ob es noch funktionierte. Ich nahm es mit nach Hause und testete es, indem ich ein paar Vocals aufnahm. Es funktionierte einwandfrei. Die Tatsache, dass dieses Mikrofon noch ging, nachdem es mitten auf der Straße lag und offensichtlich von mehreren Fahrzeugen plattgerollt wurde, spricht ganz klar für die Qualität der Shure Mikrofone. Das war schon ziemlich unglaublich.“

SM58 - überrollt

SM58 – überrollt

Wie tough bist du?

2007 beschlossen Mats Stalbröst und Markus „Majken“ Höglund, beide Redakteure beim Schwedischen Pro Audio Magazin „Studio“, eine kleine YouTube Sensation zu starten. Warum nicht mal ein paar Mythen rund um dieses legendäre Mikrofon auf ihren Wahrheitsgehalt untersuchen? Mats Stalbröst nannte das Ganze „SM58 – The World’s Toughest Microphone“.

Allerdings war bei ihnen nicht nach ein paar Drop-Tests und Bier-Badesessions Schluss (die sie natürlich trotzdem gemacht haben), sie nutzen das SM58, um Nägel in ein Kantholz zu hämmern, froren es bei -18° ein, steckten es für 20 Sekunden in einen Mikrowellenherd, der auf voller Power lief, und fuhren etliche Male mit ihrem Ford Focus drüber. Das SM58 hatte nach wie vor die Oberhand, obwohl Mats bemerkte, dass es nach der Sache mit der Mikrowelle „etwas anders“ klang. Zu guter Letzt vergruben sie das SM58 irgendwo im Freien, um Stockholms Temperaturen den Rest erledigen zu lassen. Nach einem Jahr holten sie das Mikro wieder ans Tageslicht und Mats und Majken stellten fest, dass es noch immer gut klang.

Keiner weiß, wo sich das Mikro heute befindet. Immerhin wurden die YouTube-Träume der beiden Redakteure wahr – das Video hat, Stand November 2016, 400.000 Views generiert.

Robustes Schnäppchen

Einfach, weil er ein bisschen Geld sparen wollte, entschied sich Paul Mills, ein Musiker aus Nashville, für den Kauf eines gebrauchten SM58 im Jahre 2004. „Viele Jahre auf Tour“, sagt er, „haben mich gelehrt, dass es ein qualitativ hochwertiges Mikrofon ist, eben der Industriestandard.“ Alles ging gut, zumindest für die nächsten drei Jahre, bis er seine Tasche eines Abends gegen die Seite eines Tourbuses lehnte und dort vergas.

„Der Busfahrer fuhr los und über meine Tasche“, so Mills, „Dann musste er noch mal korrigieren und fuhr ein weiteres Mal darüber.“ Alles in der Tasche war ruiniert: die Saiten, Stompboxen, auch das SM58. „Die äußere Hülle war komplett kaputt und fiel auseinander, aber ich brauchte das Mic noch in dieser Nacht. Also versuchte ich es mit einem Aufkleber und etwas Klebeband. Das hat super funktioniert.“

Klar, dass dieses Mikro auf kein Stativ mehr passte, aber Mills hat es immerhin noch für drei weitere Jahre genutzt.

SM58 - getaped

SM58 – getaped

Habt auch ihr eine Geschichte über euer SM58?

Irgendwie sieht es so aus, als hätte jeder eine Geschichte über das SM58 in petto und wir freuen uns auf jede einzelne davon. Also, werdet Teil der Shure Geschichte und teilt Eure Geschichte auf Facebook, Twitter und Instagram. Vergesst dabei ja nicht die folgenden Hashtags: #SM58 #borntoperform #iloveSM58

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