Acht Tipps für den Kauf eines Ohrhörers

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Gar nicht so leicht, den richtigen Ohrhörer zu finden…

Als Apple anno 2001 damit begann, seinen iPods Ohrstöpsel beizulegen, waren alle anderen damaligen Musikabspielgeräte wie Walkman und Discman (mit welchen Kopfhörern auch immer) mit einem Schlag outdated.

Bald darauf wollten die Leute einen besseren Sound für die portablen Player und da musste dann schon etwas anderes her als die omnipräsenten weißen Stöpsel. Heute, fast 15 Jahre später, kann einen das explosionsartig gewachsene Angebot an Modellen, Designs, Funktionen und Preisen leicht überfordern. So viele Marken, Farben, Formen.

Aber was ist denn eigentlich der Unterschied? Hier sind ein paar Tipps, die Euch ein bisschen helfen sollen, wenn Ihr versucht, Euch für einen Ohrhörer zu entscheiden.

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1. Für was wollt Ihr Eure In-Ears eigentlich nutzen?

Jeder verwendet seine Ohrhörer ein bisschen anders – Musikhören beim Sport, Ausblenden der Hintergrundgeräusche im Bus, Zug oder Flugzeug, auf der Bühne beim Reinhören ins eigene Monitoring System oder Telefongespräche führen bzw. annehmen, während man Musik hört, einen Podcast oder ein Hörbuch. Je mehr Funktionen hinzukommen (integrierter Lautstärkeregler, multiple Treiber, abnehmbare Kabel), desto mehr kosten die Earphones – logisch…

Und dann wäre da noch die Frage, wann Ihr Eure Earphones nutzen wollt. Täglich? Auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule? Im Zug? Und seid Ihr eher der Typ ordentlicher Ohrhörer-User, der die In-Ears nach Gebrauch wieder schön ins Transport-Case steckt oder eher die Fraktion, die sie einfach in die Tasche wirft?

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2. Was gibt es bei der Sound Isolation zu beachten?

Sound Isolating Ohrhörer (wie die, die wir seit Jahren führen) arbeiten vom Prinzip her ähnlich wie Ohropax. Die weichen, formbaren Foams passen sich dabei exakt dem Ohr an und schotten damit physikalisch das Ohr gegen Außengeräusche ab. Die Geräuschisolierung funktioniert über das komplette Tonfrequenzspektrum und in allen möglichen Umgebungen, ohne dass dafür Batterien benötigt werden.

Wenn man allerdings gerne joggt und eine Playlist für die nächsten 10 km einer Laufrunde oder eines Trainings hören möchte, sollte man an den Sicherheitsfaktor denken. Dann sollte man eher einen Ohrhörer ohne Geräuschisolierung wählen, um die Umgebungsgeräusche hören zu können – Verkehrsgeräusche, hupende Autos, Zugsignale oder rufende Menschen.

3. Der Komfort entscheidet

Für manche User ist Komfort fast genauso wichtig wie Klangqualität. Man steckt sich ja nichts ins Ohr, was sich nicht gut anfühlt. Daher erfordert es meistens ein bisschen Geduld, den perfekten Ohrhörer zu finden.

Speziell bei den Sound Isolating Ohrhörern ist die Passform besonders wichtig, um den Gehörgang zu verschließen. Daher liegen den meisten Earphones Ohrpassstücke in verschiedenen Großen und aus verschiedenen Materialien bei. Da alle Ohrpassstücke auf alle Ohrhörer passen ist ein nachträglich Kauf anderer Modelle möglich. Diese Passstücke, größtenteils aus Schaumstoff oder Silikon, blocken effektiv die meisten Umgebungsgeräusche. Dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit, sich Custom Molds anfertigen zu lassen – Ohrpassstücke nach Maß, die individuell exakt auf Euer Ohr zugeschnitten sind. Solche Custom Molde gibt es z. B. bei Sensaphonics für eine Vielzahl an Ohrhörern, u. a. die von Shure.

Shure Ohrpassstücke

Shure Ohrpassstücke

Reine Geschmackssache ist auch, wo das Kabel angebracht ist. Tendieren die Ohrhörer zum Rausfallen beim Trainieren? Stören die Kabel, wenn Ihr eine Sonnenbrille aufhabt?

  • Gerade runter hängendes Kabel: Der gängigste Typ ist der Ohrhörer, der mit gerade herunter hängendem Kabel getragen wird (denkt an die Ohrhörer, die mit dem ersten iPod geliefert wurden). Hier kann das Kabel vorne oder hinten getragen werden.
  • Kabelführung übers Ohr: Sorgt für Stabilität bei aktivem Gebrauch. Der sichere Sitz ist einer der Gründe, warum diese Art von Kabelkonstruktion an den meisten professionellen Earphones zu finden ist. Auch hier kann das Kabel vorne oder hinten getragen werden. (Mit der Ausnahme des SE112 sind alle Shure Earphones dazu optimiert, über dem Ohr getragen zu werden).
4. Klangqualität

In Ohrhörern sind Micro-Lautsprecher (Treiber) verbaut, die für die Klangqualität sorgen. Auch hier gibt es verschiedene Treiber-Varianten, die beim Entscheidungsprozess für ein bestimmtes In-Ear Modell berücksichtigt werden können:

  • Arbeitet/ performt Ihr mit den Ohrhörern oder verwendet Ihr sie lediglich zum Musikhören?
  • Was für eine Art von Musik hörst du?
  • Welches Audio-Equipment besitzt Ihr?

Die Shure Modelle SE112 und SE215 sind mit dynamischen Treibern ausgestattet, die einen warmen und druckvollen Klang liefern. Alle weiteren Shure Ohrhörer bieten „Balanced Armature Treiber“, die einen originalgetreuen, detaillierten Klang erzielen.

SE846 Explosionszeichnung

SE846 Explosionszeichnung

5. Die Anzahl der Treiber

Ein Ohrhörer mit je nur einem Treiber pro Seite (Single-Driver) kann Sound über das komplette Hörspektrum produzieren (normal liegt das zwischen 20Hz und 20kHz). Warum also sollte irgendjemand überhaupt mehr als einen Treiber wollen? Weil der Single-Driver Grenzen hat. Hier sind ein paar Beispiele:

  • Schon bei geringer Lautstärke kann es zu Verzerrungen im Sound kommen.
  • Die „Klangkurve“ kann eingeschränkt sein (d.h. die relativen Frequenzpegel von unten nach oben).
  • Etwaige Änderungen müssen über den EQ oder andere Prozesse verwaltet werden.

Um die Grenzen der Single-Driver Earphones zu sprengen, ist es üblich, mehrere Treiber in jede Seite zu packen. Durch spezielles Filtern kann der Frequenzbereich weiter eingeschränkt werden, ein Treiber kann sich dadurch auf einen spezifischen Bereich fokussieren. Das kann die Effizienz erhöhen und den Dynamikumfang, der erreicht werden kann. Das ist nicht unähnlich der Technologie, die in normalen Stereo-Lautsprechern verwendet wird. Das eingehende Tonsignal ist in zwei oder mehr Signalwege aufgeteilt (abhängig von der Anzahl der Treiber) und jeder Weg ist für einen spezifischen Frequenzbereich optimiert.

Es gibt aber keine Garantie dafür, dass ein Multi-Driver Ohrhörer einen Single-Driver Ohrhörer klanglich übertrifft. Tatsächlich ist es so, dass schlecht gebaute Mehr-Wege Ohrhörer Unregelmäßigkeiten oder Artefakte in der Übertragungsfunktion hervorrufen können, was zu Unzufriedenheit beim Musikhören führen kann oder, schlimmer, zu ungenauen Performances oder Abmischungen bei Musikern und Toningenieuren.

Bei Shure sind übrigens die Modelle SE425, SE535 und SE846 mit mehreren Treibern ausgestattet. Die Anzahl der Treiber erkennt Ihr an der zweiten Ziffer des Produktnamens.

Zusätzlich zur Anzahl der Treiber ist es wichtig, die Frequenzweiche eines Mehr-Wege Ohrhörers zu erwähnen.

6. Frequenzweichen

Eine Zwei-Wege-Weiche trennt typischerweise das Tonsignal in zwei Kanäle: hoch und tief. Das hohe Signal würde zu einem Hochtontreiber (englisch ’Tweeter‘ genannt), das tiefe Signal zu einem Tieftontreiber (oder „Woofer“) geroutet werden. Die Frequenz, bei der das Signal geteilt wird, nennt man Trennfrequenz (crossover point); das ist der Punkt, wo ein Bereich endet und ein anderer beginnt. Wenn die Zwei-Wege-Weiche ordentlich designt wurde, kann der resultierende Sound kräftiger werden und mit stärkerer Basswiedergabe aufwarten.

Eine Drei-Wege-Weiche ist ähnlich der Zwei-Wege-Weiche, hat aber einen weiteren Crossover Point, was zu drei getrennten Frequenzbereichen führt: tief, mittel und hoch. Die Drei-Wege-Variante kann sogar noch mehr Lautstärke zu einer noch höheren Qualität bieten, sofern sie ordentlich verbaut ist.

7. Der Übertragungs- oder Frequenzbereich

Wie viele Produkte aus dem Listening Bereich spezifizieren Ohrhörer normalerweise einen Frequenzbereich, der in Hertz (abgekürzt: Hz) gemessen wird. Der Frequenzbereich ist das Spektrum von Bass, Mitten und Höhen. 20 bis 20.000 Hz (oder 20kHz) ist das allgemein anerkannte Spektrum des für Menschen hörbaren Frequenzbereichs, daher ergibt sich dieses Spektrum als Standard für die meisten Ohrhörer. Seit allerdings ein paar Audio-Konzerne den Frequenzbereich genau so angeben – obwohl an den Grenzen lediglich ein sehr geringer Pegel übertragen wird – ist diese Metrik nahezu sinnlos.

8. Widerstandsfähigkeit

Ohrhörer mögen zwar ziemlich klein sein, aber sie unterliegen hohen Belastungen. Kabel werden um Mobiltelefone oder Player gewickelt. Sie sind allen möglichen Wetterbedingungen ausgeliefert. Sie landen auf dem Boden von Sport- und Bürotaschen. Viele der mit Ohrhörer verbundenen Probleme sind das Ergebnis von beschädigten Kabeln. Das macht Features wie abnehmbare und verstärkte Kabel so wichtig für die Langlebigkeit Eurer Ohrhörer. Bei Shure sind übrigens alle Earphones mit Ausnahme des SE112 mit einem abnehmbaren und am Ohr drahtverstärkten Kabel ausgestattet – für komfortablen Sitz und sicheren Halt.

Shure SE Ohrhörer

Shure SE Ohrhörer

Und nun?

Hört Ihr  einen Unterschied zwischen dem verhedderten Paar, das bei Euch rumliegt, und dem Ohrhörer Eures Freundes für 180 EUR? Dieses Hörerlebnis kann ein Hinweis dafür sein, wieviel Ihr ausgeben solltet. Vergesst aber auch nicht, dass die Form Eures Gehörgangs einzigartig ist und jeder Klang auf eine andere Art und Weise verarbeitet wird.

Da es nahezu unmöglich ist, Ohrhörer live im Handel zu testen, helfen Euch vielleicht folgende Vorschläge um herauszufinden, was am besten für Euch ist:

  • Professionelle Review-Seiten im Netz bieten Erfahrungswerte und wertvolle Kommentare
  • Öffentliche Foren bieten zahlreiche Kommentare von Anwendern
  • Schaut nach Händlern, die die Produkte auf Lager haben, und fragt, ob Ihr sie dort ausprobieren könnt
  • Testet die Modelle von Leuten, die Ihr kennt

Einen Überblick über die Shure Ohrhörer der SE Serie findet Ihr hier: http://www.shure.de/produkte/ohrhoerer

Ansonsten ist das natürlich nur eine Liste mit ein paar (hoffentlich) hilfreichen Tipps. Ansonsten gilt auch hier wieder unsere übliche Devise: Traut Euren Ohren!

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