Hyperniere? Breite Niere? Shure KSM9HS!

Wir wollten ja hier im Blog so ab und an auch mal das eine oder andere Exoten-Mikrofon unter die Lupe nehmen und nachdem wir uns vor einer Weile schon mal das PGA181 angesehen haben, haben wir uns heute noch einmal ein Mikrofon rausgepickt, das etwas aus der Norm fällt: das KSM9HS.

Wie Ihr unter anderem in diesem Artikel nachlesen könnt, kann die Richtcharakteristik von Mikrofonen in drei Gruppen unterteilt werden: omni-, uni- und bi-direktional. Innerhalb dieser Kategorien gibt es wiederum einige unterschiedliche Richtcharakteristiken, die in sogenannten Polar-Diagrammen dargestellt werden; die bekanntesten Typen sind Nieren und Supernieren. Fast alle gängigen Anwendungen können mit den beiden umgesetzt werden – aber was, wenn Eure Anforderungen ein bisschen spezifischer sind?

Supernierencharakteristik

Superniere

Die vielen Vor- und Nachteile dieser „Standard“ Richtcharakteristiken sind gut dokumentiert, aber einige der nicht so geläufigen Varianten werden oft verkannt. In diesem Beitrag wollen wir nun zunächst ein paar exotische Richtcharakteristiken erläutern und natürlich auch aufzeigen, für welche Anwendungen diese überhaupt sinnvoll sind.

Die Hyperniere

Das Hypernieren-Mikro ist ein bisschen wie eine gedopte Superniere; der Winkel vorne ist noch enger und extrem fokussiert, was zu einer größeren Unterdrückung von ungewollten Hintergrundgeräuschen und Feedback führt. Zur besseren Verständlichkeit zeigen die Bilder der Polar-Diagramme eine zweidimensionale Ansicht der Charakteristiken:

Super_Hyperniere

Der engere Aufnahmewinkel ist vor allem dann von Vorteil, wenn man in sehr lauten Bühnenumgebungen arbeitet und das Mikro ungewollt Störgeräusche einfängt (Sound bleeding). Auf einer lauten Bühne ist es sehr wichtig, möglichst wenig Umgebungsgeräusche auf dem Mikrofonkanal zu haben, sonst hat man im Handumdrehen einen verwaschenen, unfokussierten Sound – oder, noch schlimmer, Feedback. Wenn Ihr es korrekt einsetzt, ist ein Hypernieren-Mikrofon dank seiner Feedback-Unterdrückung die beste Waffe gegen lästige Bühnengeräusche.

hypercardioid_subcardioid1

Wie so oft, gibt es aber auch ein paar Punkte, die man beachten muss:
  1. Weil Hypernieren-Mikrofone so stark gerichtet sind, ist die richtige Handhabung des Mikros sehr wichtig – sogar noch mehr als bei der Superniere. Wenn sich ein Sänger außerhalb der Achse der „Richtkeule“ bewegt, ändert sich die Performance des Mikros und das kann die Klangqualität ungünstig beeinflussen. Mit anderen Worten, der Sänger sollte sein Mikro genau zum Mund hin ausrichten!
  2. Bei Nieren-Mikrofonen wird hauptsächlich Schall von der Vorderseite aufgenommen, nach hinten dämpft das Mikrofon komplett. Supernieren-Mikros haben durch ihre engeren Aufnahmewinkel ein anderes Schallaufnahmenverhalten. Es wird mehr Schall von vorne, aber auch etwas von genau hinter dem Mikrofon aufgenommen. Supernieren-Mikros haben bei 125 Grad die höchste Dämpfung, die Hyperniere bei 110 Grad. Das sollte man unbedingt beachten, wenn man die Bühne einrichtet. Speziell bei der Platzierung von Monitorboxen.
    Außerdem ist die Sensibilität auf der Rückseite eines Hypernieren-Mikros größer als die einer Superniere – d.h. es wird dadurch aus Bühnensicht auch Publikum-Geräusche aufgenommen.
  3. Viele Anwender haben bei der Hyperniere die Befürchtung, dass ein zu starker Nahbesprechungseffekt entstehen könnte. Das gilt für viele Mikrofone auf dem Markt, die Mikrofonkapsel des Shure KSM9 nutzt allerdings ein Dualmembran-Element, das dabei hilft, den Nahbesprechungseffekt in Grenzen zu halten.
Die Breite Niere

Die Breite Niere (auch Subniere genannt) ist ziemlich verwirrend. Ihre Richtwirkung ist eigentlich ziemlich nah der Omni-Direktionalität also Kugel – aber eben nicht ganz – damit hat man einen sehr natürlichen, offenen Klang, der für Auftritte mit geringer Bühnenlautstärke geeignet ist. Die Breite Niere ist zudem nicht so anfällig für den Nahbesprechungseffekt; vor allem, wenn man ein Dualmembran-Element einsetzt wie beim KSM9. Allerdings ist sie durch den breiten Öffnungswinkel anfälliger für Feedback. Denkt also daran: Die Breite Niere spielt ihre Vorteile bei leisen, akustische Gigs aus.
hyperniere_breiteniere

Ein Mikro aus zwei Hälften

Wenn Ihr die Eigenschaften einer Hyperniere mit der einer Breiten Niere vergleicht, ist das wie Tag und Nacht. Die eine Charakterisitik ist perfekt bei lautem Bühnensound, das andere ist geeignet für ruhigere Events mit tollem Klang. Wenn man die beiden vereint, hat man ein verflixt vielseitiges Mikrofon in der Hand.

Ta ta: Vorhang auf für das Shure KSM9HS…

Das KSM9HS ist ein Multi-Pattern Kondensatormikrofon, das zwischen Hyperniere und Breiter Niere umgeschaltet werden kann.
Im Hypernieren-Modus liefert das KSM9HS die Sensibilität und den Frequenzbereich eines Kondensators mit einem viel geringeren Feedback-Risiko. Selbst wenn Ihr In-Ear-Monitoring einsetzt, um die Feedback-Risiken zu schmälern, kann das KSM9 immer noch helfen, um einen reineren, besser klingenden Mix zu liefern, indem es unerwünschte Nebengeräusche einfach abblockt.

Umgeschaltet auf die Breite Niere wird das KSM9HS zu einem Mikrofon in Studio-Qualität. Die minimale Sensibilitäts-Minderung auf der Rückseite der Breiten Niere liefert gerade genug Drosselung, um das Feedback bei einem akustisch leisen Gig zu kontrollieren, während man den natürlichen Klang genießen kann, der mit einem weniger direktionalen Mikrofon und nahezu keinem Nahbesprechungseffekt daherkommt.

hypercardioid_subcardioid3

Auf welcher Seite stehst Du?

Um es kurz zu machen: Durch die zwei verschiedenen Richtcharakteristiken öffnet sich eine Welt außerhalb von Kugel und Niere. Und: Ihr habt sie sogar in einem einzelnen Mikro vereint.
Hat jemand die oben beschriebenen Richtcharakteristiken bereits eingesetzt, um Soundqualität zu verbessern oder den  Gig von Feedback Problemen zu retten?

Falls ja, würden wir uns über ein paar Zeilen dazu freuen – wir lieben gute Geschichten!

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