Mikrofonierungs- und Recording-Tipps für den Bass

Shure-Mikrofonierung-PG-ALTA

Der Bass ist eine der wichtigsten Komponenten eines Musikstücks und bei vielen Stilrichtungen ist es tatsächlich so, dass ohne Bass schlicht und ergreifend gar nichts geht. Um’s mal so ein bisschen metaphorisch zu sagen: Wenn wir die Musik als Gebäude betrachten, ist der Bass das Fundament. Wird er professionell und gut gespielt, harmoniert der Bass problemlos mit dem Rest der Band und legt damit einen soliden musikalischen Grundstein für einen Song. Allerdings tun sich vor allem Einsteiger mit der Abnahme der Bassgitarre manchmal etwas schwer und die Ergebnisse klingen unausgegoren oder matschig. Aber wie so oft, lautet auch hier die Devise: Es ist gar nicht so schwer, wenn man nur weiß, wie’s geht. Ein paar Tipps hierzu findet Ihr in diesem Artikel.

KSM-Mikrofone-Verstärker
Das Setup – ist Euer Bass in Form?

Den Hinweis, dass es eines wirklich guten Bass-Spielers bedarf, um professionelle Ergebnisse zu erzielen, sparen wir uns. Was wir uns nicht sparen, ist einen Querverweis auf unseren letzten Beitrag über die Abnahme der Akustikgitarre, denn auch beim Bass geht es in erster Linie erst einmal um das Instrument an sich. Also schaut Euch zunächst mal an, wie es um Eure Gitarre bestellt ist. Und denkt immer daran, Euren Bass vor und zwischen den Aufnahmen zu stimmen.

Die drei typischen Methoden der Bass-Abnahme

Es gibt drei typische Methoden, eine Bassgitarre abzunehmen, die da wären:

  1. Direktes Recording unter Verwendung einer DI-Box
  2. Nutzung eines Mikrofons
  3. Kombination aus DI-Box und Mikro

Für welche Variante Ihr Euch entscheidet, bleibt natürlich Euch überlassen. Aber lasst uns die einzelnen Optionen mal kurz durchgehen.

Soll ich eine DI-Box verwenden?

Da spricht im Prinzip nichts dagegen. Viele setzen bei der Abnahme ihrer Bassgitarre auf eine DI-Box. Diese Methode liefert einen ganz guten Sound, der allerdings oftmals als etwas unnatürlich und analytisch beschrieben wird. Für einen natürlichen, runden Sound solltet Ihr die Bassbox mit einem Mikrofon abnehmen; nichtsdestotrotz spricht aber auch einiges für die DI-Boxen:

  • Sie bieten eine Art Backup, mit dem Ihr später problemlos reampen könnt.
  • Zusammengemischt mit dem Mikrofonsignal können Frequenzen verstärkt werden, die so nicht vom Bass-Amp wiedergegeben werden.

Entschließt Ihr Euch aus praktischen oder Kostengründen dazu, nur eine DI-Box zu nutzen, könnt Ihr Euer Signal ordentlich verbessern, indem Ihr per Software-Plugin den Amp simuliert. Da gibt es viele gute Produkte, die in den letzten Jahren immer besser geworden sind. Inzwischen könntet Ihr sogar mit Programmen wie Garage-Band ganz gute Ergebnisse bekommen.

Wenn Ihr mehr Infos zu DI Boxen, benötigt, sei Euch dieser Blogbeitrag von Jürgen ans Herz gelegt – quasi ein DI-Box Rundumschlag:

Radial-Pro-DI-Box

Die Bass-Abnahme mit einem Mikrofon – achtet bei der Wahl des Mikros auf den Frequenzgang und den SPL

Falls Ihr im Besitz eines großartig klingenden Bassverstärkers seid, könnt Ihr mit einem Mikrofon die besten Resultate erzielen. Wenn Ihr ein Mikro für Eure Bassgitarre sucht, müsst Ihr a) auf den Frequenzgang achten und b) prüfen, wie gut das Mikro mit hohen Schalldruckpegeln (SPL) zurechtkommt.

  1. Ihr benötigt einen Frequenzgang, der optimal zum Bass passt. D.h., er sollte im unteren Bereich ausgeprägt sein, in den Mitten schwächer und mit einem Peak bei 3-5 kHz.
  2. Logisch, eine Bassgitarre erzeugt ordentlich SPLs. Diese können i.d.R. von dynamischen Mikrofonen besser bewältigt werden. Allerdings sind Kondensatormikrofone nicht vollkommen abwegig. Dazu gleich mehr.
Ein Kondensatormikrofon am Bass?

Klar, dynamische Mikrofone sind geradezu prädestiniert für die Abnahme von Bassgitarren. Aber sie drücken der Aufnahme auch ihren eigenen Sound auf, was in ihrem starken konturierten Frequenzverlauf begründet liegt. Wenn Ihr nun einen möglichst natürlichen Klang sucht, könntet Ihr durchaus ein Kondensatormikrofon in Betracht ziehen. Dabei müsst Ihr allerdings aufpassen, dass Euer Bassverstärker auf einem akzeptablen Pegel läuft. Wenn das Signal zu heiß ist, könnt Ihr auch ein Pad zuschalten. Ein Pad kann am Vorverstärker oder (falls Euer Modell das Feature hat) direkt am Mikro aktiviert werden. Mit einem Pad könnt Ihr Euer Signal normalerweise um 10-15 dB absenken.

Die Platzierung des Mikrofons – experimentiert mit verschiedenen Positionen und Entfernungen

Da es die ultimative Mikrofonplatzierung einfach nicht gibt, solltet Ihr Euch die Zeit nehmen, mit verschiedenen Positionen und Distanzen zu experimentieren. Checkt dann jeweils die Ergebnisse, um herauszufinden, was für Euch den besten Sound bringt.

Startet damit, das Mikrofon zur Lautsprechermembran auszurichten. Damit könnt Ihr ganz einfach, abhänging vom Abstand zur Mitte des Lautsprechers, einen klaren oder einen wärmeren Klang einfangen. So grob lässt sich sagen: Wenn Ihr das Mikro in Richtung Lautsprecher-Rand platziert, bekommt Ihr einen warmen Ton, während die Ausrichtung in die Mitte mit mehr Höhenanteilen deutlich mehr Biss erzeugt.

Auch das Gitter der Box kann sich bei der Mikrofonplatzierung auf den Sound auswirken. Jedes Mikro ist anders, daher achtet unter Verwendung eines guten Kopfhörers auf die Unterschiede bei der Positionierung. Entfernt Ihr das Mikrofon vom Lautsprechergitter, verändert sich der Sound von trocken, fokussiert und direkt zu natürlich, räumlicher. Dann gibt es natürlich noch den Nahbesprechungseffekt. Hier werden die tiefen Frequenzen stärker betont, wenn ein gerichtetes Mikro näher an die Schallquelle gebracht wird. Viele Toningenieure arbeiten mit diesem Effekt, um Gitarren mehr Tiefe zu verleihen. Variiert doch einfach mal mit den Abständen zwischen 10 und 45 cm, je nachdem, wie viel Raum Ihr Eurem Sound geben wollt.

Eine Sache, die oft komplett ausgeklammert wird, ist der Bodenbelag. Wenn Ihr z. B. Euren Verstärker auf festen Untergrund stellt, dürften die Reflektionen zu einem höheren Klang führen als wenn er auf einem flauschigen Flokati steht. Vergesst nicht, dass Ihr mehr Raumklang einfangt, je weiter Mikro und Verstärker voneinander entfernt stehen. Ob das nun gut oder schlecht ist, hängt von Eurem persönlichen Geschmack und Musikstil ab.

Recording-Bass-Cabinet

(Ideal für den Bass: Shure PGA52)

Ein bisschen Info zu Richtcharakteristiken – die Niere unterdrückt Nebengeräusche, die Kugel nimmt den Schall von allen Seiten auf

Die Nierencharakteristik wird bei der Abnahme der Bassgitarre am häufigsten eingesetzt. Ihre gerichtete Form ermöglicht eine gute Unterdrückung von Raumklang und anderen Instrumente. Dafür müsst Ihr auf den o. g. Nahbesprechungseffekt achten, der nur bei gerichteten Charakteristiken auftritt.

Wollt Ihr diesen Effekt vermeiden und einen natürlicheren Sound erreichen, könnt Ihr Euer Glück durchaus auch mal mit einer Kugelcharakteristik versuchen. Kugeln sind dafür bekannt, einen natürlichen, offenen Klang zu produzieren. Nachteil: Sie nehmen dadurch auch jede Menge Schall auf, der überhaupt nicht zum eigentlich mikrofonierten Instrument gehört.

Die Mischung aus DI und Mikrofon-Signalen

Für viele Ingenieure ist die Kombi aus Mikrofon und DI Box das einzig Wahre bei der Abnahme der Bassgitarre. Sie nehmen dabei den Bass meistens mit drei bis vier Spuren auf – eine für die DI Box und die anderen für Mikros. Ihr könntet z. B. ein dynamisches Kick Drum Mikro direkt vor dem Lautsprecher verwenden, ein Kondensatormikro in etwas Entfernung und dann die beiden Spuren mit dem DI Signal mischen. Danach habt Ihr die Möglichkeit, die Spuren für verschiedene Musikstile anpassen zu können. Nehmt Euch Zeit und seid ruhig etwas experimentierfreundiger. Die Gitarre, der Verstärker, der Raum an sich – all das kann den Sound beinflussen. Probiert aus und vertraut Eurem Gehör. Wenn ein Ergebnis für Euch gut klingt, dann ist es auch gut!

Mixing – das Zusammenspiel von Schlagzeug und Bass

Nach den Aufnahmen geht es ans Abmischen. Ein guter Mix fängt mit Kick Drum, Snare und Bass an. Die Mischung aus diesen Spuren muss unbedingt stimmen, nur so bekommt Ihr das sagenumwobene Fundament, das wir am Anfang dieses Artikels angesprochen haben. Nehmt Euch die Zeit für die Abstimmung des Beats und des Timings von Schlagzeug und Bass, bevor Ihr mit dem gesamten Mix loslegt. Das Abstimmen schließt Schneiden, Verschieben und manchmal auch Strecken einiger Töne innerhalb der Spuren mit ein. Moderne Recording-Software unterstützt Euch hier ganz gut, teilweise sogar automatisiert, allerdings kann das Euren Sound auch künstlich verfälschen. Wenn Ihr wollt, dass Eure Aufnahme so natürlich wie möglich bleibt, reduziert die Nachbearbeitung auf das Notwendigste. Stellt Ihr beim Abmischen fest, dass Ihr zu viel eingreifen müsst, ist eine neue Aufnahme oft die bessere Alternative.

Wichtig ist das Timing Eures Beats. Ihr braucht eine Referenz, um die Gesamtaufnahme danach zu mischen. Normalerweise nimmt man hierfür das Schlagzeug. Achtet auf das Zusammenspiel von Kick Drum, Snare und Eurer Bassgitarre. Diese „Rhythmusgruppe“ muss gut zusammen funktionieren, um ein solides Fundament zu bilden. Ist das nicht der Fall, könnt Ihr Euch alle weiteren Maßnahmen vermutlich sparen.

Wenn Ihr dann mit Eurer Aufnahme soweit zufrieden seid, hört, wie sich der Bass inmitten Eures Mixes macht. Achtet dabei auf folgendes:

EQ – versucht nicht, Kick Drum und Bass gleich zu bearbeiten

Wo Ihr bei Eurer Bassgitarre den EQ anhebt oder absenkt, wirkt sich extrem auf den Gesamtsound aus. Einen durchsichtigen Mix erhaltet Ihr, wenn die Kick Drum und die Bassgitarre frequenzmäßig in unterschiedlichen Bereichen arbeiten. Wenn Ihr z. B. 80 Hz bei der Kick Drum anhebt, solltet Ihr das gleichermaßen beim Bass absenken und stattdessen, z. B. bei 100 – 150 Hz, den Bass im Vergleich zur Kick Drum hervorheben. Mit dieser Strategie könnt Ihr die tiefen Frequenzen besser in den Griff bekommen und habt am Ende einen aufgeräumten Mix.

Oft profitiert die Bass-Spur von einer dezenten Anhebung in den Höhen. Dabei solltet Ihr mit einem linearen Kopfhörer gut darauf achten, welche Frequenzen Präsenz oder Attack verleihen, ohne dass sich die Bass-Spur und andere Percussion-Spuren in die Quere kommen. Denn wie schon erwähnt ist es wenig sinnvoll, die Bass-Spur in Frequenzbereichen anzuheben, in denen schon andere Instrumente arbeiten, wie z. B. die Kick Drum. Jede Spur muss individuell im Frequenzspektrum angeordnet werden.

Abschließend können wir festhalten, dass man eine Spur nie isoliert betrachten sollte. Ihr seid auf das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente angewiesen, um einen guten Gesamtsound zu bekommen.

Anmerkung: Hört Euren Mix mit verschiedenen Systemen ab!

Beim Bass ist es besonders wichtig, den Mix mit verschiedenen Audiosystemen anzuhören. Eine tiefgestimmte Bassgitarre kann sich mit einem hochwertigen Studiosystem toll anhören, während es mit Consumer-Systemen oder Billig-Ohrhörern ein enttäuschendes Ergebnis geben kann. Wenn Euer Bass-Sound eine gesunde Mischung aus tiefen und mitteltiefen Frequenzen enthält, stehen die Chancen gut, dass er mit unterschiedlichen Systemen gut klingt.

Zusätzlich solltet Ihr beachten, dass Bass-Signale erheblichen Einfluss auf den Master-Fader haben. Wenn Ihr Schwierigkeiten habt, den Bass gut hörbar im Bandmix unterzubekommen, versucht, etwas von den Tiefen rauszunehmen. Damit solltet es funktionieren, das System aufzudrehen, ohne ins Clipping zu kommen.

Kompression – Attack- und Relase-Zeiten

Kompression sollte gründsätzlich beim Bass verwendet werden, um ein gleichmäßiges Bass-Signal zu bekommen. Wie viel Ihr komprimieren müsst, richtet sich danach, wie Ihr den Track aufgenommen habt. Bei einer Bass-Spur, die mit einer DI Box abgenommen wurde, ist meistens mehr Kompression vonnöten als bei einer, die mit einem Verstärker und einem Mikrofon recorded wurde. Das hängt damit zusammen, dass der Amp naturgemäß bereits etwas komprimiert, das gilt vor allem für Röhrenverstärker. Der Kompressionsgrad sollte so dosiert sein, dass die Aufnahme geglättet wird, der Ur-Punch aber beibehalten wird. Wenn die Attack-Zeit zu klein ist, schneidet Ihr die Anschläge ab. Die Attack-Zeit sollte aber auch nicht zu groß sein, da der Sound sonst schwammig wird und damit der Groove fehlt. Auch die Release-Zeit muss passen, damit die Dynamik erhalten bleibt. Ist die Release-Zeit zu kurz, wird die Kompression sofort gestoppt, wenn das Signal unter dem Schwellwert (Threshold) liegt. Ist sie zu lang, reagiert der Kompressor kaum noch auf kurzfristige Pegelschwankungen und zerstört damit die Dynamik. Ihr könnt auch die automatische Attack- und Release-Funktionen austesten, wenn Ihr bei den Parametern unsicher seid. Die Parameter hängen aber auch sehr stark von Eurem eigenen Stil und dem gewünschten Ergebnis ab.

Effekte – verwendet nur wenig Hall in Kombi mit etwas Pre-Delay

Zu viel Hall auf tiefe Frequenzen kann einen Mix leicht zerstören und schwammig machen. Der Trick ist, nur ein wenig Hall mit ein bisschen Pre-Delay zu verwenden. So kann man das eigentliche Bass-Signal vom Effektanteil unterscheiden. Der Hall sollte immer so dosiert werden, dass er dabei hilft, eine runde Mischung entstehen zu lassen, ohne dabei zu sehr zu dominieren oder zu verwaschen. Hier hilft es auch, den Effekt während des Einstellens zu muten und damit zum Original gegenzuhören.

Shure-Beta27

Fazit

Wie so oft beim Recording, gibt es auch bei der Bassgitarre kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur Hilfestellungen und Tipps und viel Hören und Ausprobieren.

4 Kommentare zu “Mikrofonierungs- und Recording-Tipps für den Bass

  1. Hi – ein toller Beitrag, vielen Dank dafür – ich hätte als Einsteiger jedoch noch eine Frage: gibt es so 2 bis 3 Mikrofone, die du für die Aufnahme empfehlen kannst? Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen. Viele Grüße

  2. Hi Daniel, herzlichen Dank für deine schnelle Rückmeldung ! Top🙂 Blöde Frage vielleicht: ist das Beta 52a ein Nachfolger des PGA52 ?

    Viele Grüße und Danke für deine Hilfe

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