Was man über Antennen wissen sollte

aktive Richtantenne

Für eine störungsfreie Funktion eines Funksystems ist eine korrekte Antennenauswahl bzw. Positionierung und Ausrichtung der Antennen essentiell. Bei falscher Anwendung der Antennen wird zwar sicherlich ein Funksystem betriebsbereit sein  – aber um die maximale Performance (Reichweite, max. Kanalanzahl) zu erreichen sind ein paar Dinge zu beachten.

Bevor wir nun aber zur Platzierung kommen muss zuerst klar sein um welchen Antennen-Typ es sich handelt.

Rundstrahler

Wie der Name schon sagt strahlen diese Antennen kreisrund ab – aber dies sollte NICHT mit einem Kugelstrahler verwechselt werden. Denn in axialer Richtung strahlen diese Antennen nichts ab – bzw. empfangen nichts. Die Richtcharakteristik ähnelt einem „Donut“. Die Sende- und Empfangs-Antennen sollen also NICHT aufeinander zeigen – sondern parallel zueinander ausgerichtet sein.

Abstrahlverhalten Rundstrahler UA8

Abstrahlverhalten eines Rundstrahlers

Bei den Rundstrahlern unterscheiden wir noch Typen mit unterschiedlicher Länge:

  • 1/4-Lambda (UA400). Die Länge der Antenne beträgt eine viertel Wellenlänge.
  • 1/2-Lambda (UA8). Demzufolge beträgt die Länge hier eine halbe Wellenlänge.

Die größere Antenne hat zwar einen etwas besseren Empfang, was in der Praxis allerdings kaum bemerkbar ist. Für die Praxis viel relevanter ist der Unterschied, dass die 1/2-Lambda-Antenne den Massebezug mit eingebaut hat. Das bedeutet, dass diese Antenne im freien Raum platziert werden kann, und mit einem Koaxialkabel an den Antennen-Eingang des Empfängers verbunden werden kann. Die 1/4-Lambda-Antenne hat diesen Massebezug nicht „an Bord“ und muss deshalb am Empfänger (bzw. Antennensplitter) montiert werden.

Richtantennen

Diese Typen weisen eine starke Richtwirkung auf. In der Vorzugsrichtung wird dadurch ein besserer Empfang gewährleistet. Dadurch kann in dieser Richtung die Reichweite erhöht werden.

  • Die Logarithmisch-periodische Antenne wird umgangssprachlich auch Paddle-Antenne bezeichnet. Diese bietet einen Öffnungswinkel von ca. 90 und einen maximalen Gewinn von etwa 7 dB.
    Richtantenne UA874

    Richtantenne UA874

    Diese Antenne gibt es in zwei Version: passiv und aktiv. Die passive Version (PA805) ist eigentlich als Sendeantennen für In Ear Monitoring Sender gemacht. Kann aber genauso gut als Empfangsantenne eingesetzt werden. Bei der aktiven Variante (UA874) ist ein HF-Booster noch mit an Bord. Dieser soll die Verluste durch das Kabel kompensieren.

  • Eine noch stärkere Richtwirkung weist die Helix-Antenne (HA-8089) auf.
    Shure Helix Antenne HA-8089

    Helix-Antenne

    Der Öffnungswinkel beträgt nur noch 50°  dafür liegt der Gewinn bei 14 dB. Es kann also in einem engeren Winkel eine höhere Reichweite erzielt werden. Dieses Modell gibt es lediglich in passiver Ausführung da es in erster Linie für In Ear Monitoring entwickelt wurde. Wird diese Antenne allerdings zum Empfangen eingesetzt und liegen die Verluste im Kabel über 3 dB so wird ein HF Booster (UA830) empfohlen. Der große Vorteil beim Einsatz von In Ear Monitoring Systemen ist allerdings, dass diese Helix Antenne keine Polarisation aufweist.

Polarisation – was ist das?

Eine HF Welle wird in Sinuskurven  abgestrahlt. Diese Sinuswellen liegen in der axialen Ebene der Antenne. Aus diesem Grund sollen Sende- und Empfang-Antenne parallel ausgerichtet sein.

Genug der Theorie – kommen wir nun zu den:

10 Praxistipps um die Performance eines Funksystems zu optimieren

  1. Sichtverbindung zwischen Sende- und Empfangsantennen
    HF Wellen werden durch Hindernisse abgedämpft. Dabei gilt – je besser das Hindernis Strom leitet desto stärker ist die Abschottung. Was also nicht im Weg stehen sollte: Metallische Objekte, Stahlbeton, Menschen, Bäume. Weniger kritisch sind trockene Gegenstände wie Holz. Idealerweise befindet sich also der Empfänger im selben Raum wie der Sender und über Kopfhöhe.
  2. Abstände einhalten
    Die typische Reichweite eines Funksystems (im UHF Bereich) liegt bei 100 m. Bei Idealbedingungen kann eine stabile Übertragung innerhalb dieses Radius erreicht werden. Mit Richtantennen erhöht sich die Reichweite in der Vorzugsrichtung. Aber auch ein Mindestabstand von ca. 3 m sollte eingehalten werden. Dies trifft insbesondere bei Mehrkanalsetups auf. Kommen mehrere Sender zu nahe an die Empfänger, so steigt die Empfangsleistung drastisch an und damit kann es zu Übersprechungen der einzelnen Kanäle kommen.
  3. Adäquate Antenne einsetzen
    Rundstrahl-Antennen eignen sich in den meisten Fällen sehr gut. Dabei ist lediglich zu beachten, dass die 1/4-Lambda Antennen ohne Massebezug am Empfänger/Splitter montiert werden müssen. Die 1/2-Lambda Antennen haben den Massebezug mit eingebaut und können somit abgesetzt montiert werden.
    Für größere Reichweiten – insbesondere in einer Vorzugsrichtung – sind Richtantennen die geeignete Wahl.
  4. Frequenzbereich beachten
    Antennen decken nur einen begrenzten Frequenzbereich ab. Außerhalb dieses Frequenzbereichs verringert sich die Empfangsleistung. Bei passiven Antennen ist das weniger kritisch. Hier kann noch einige MHz neben dem angegebenen Spektrum eine ordentliche Performance erzielt werden. Bei aktiven Antennen sollte der angegebene Bereich allerdings nicht verlassen werden.
  5. Diversity-Antennen in geeignetem Abstand platzieren
    Um einen sinnvollen Diversity-Empfang zu gewährleisten sollten der Abstand zwischen den Antennen mindestens eine halbe Wellenlänge –  besser eine ganze Wellenlänge – betragen. Bei 800 MHz sind dies in etwa 20 bzw. 40  cm. Ein 19″-Rack-Empfänger bietet somit die optimalen mechanischen Voraussetzungen für die Positionierung der Diversity-Antennen.
  6. Störquellen von den Antennen entfernen
    Zu den eventuellen Störquellen zählen natürlich alle Geräte, die HF-Wellen abstrahlen, wie Handys, WLAN/Bluetooth-Geräte usw. aber auch „digitale Geräte“ wie CD-Player, Effekt-Prozessoren und Netzteile.
  7. Antennen entfernt von metallischen Objekten platzieren
    Der Abstand zu allen metallischen Objekten sollte mindestens eine viertel Wellenlänge betragen. Bei 800 MHz wären dies also mindestens 10 cm.
  8. Korrektes Ausrichten der Antenne
    Aufgrund der Polarisation des HF Felds sollte auf Parallelität der (Sende- und Empfangs-)Antenne geachtet werden. Da es auf einer Live-Bühne – insbesondere mit Handsendern – aber sehr bewegt zugeht, kann man nie davon ausgehen, dass die Sendeantennen in einer Polarisation ausgerichtet ist. Deswegen der Praxistipp: Die (Diversity-)Antennen am Empfänger 45° nach außen drehen. Dadurch wird eine größere Polarisationsebene abgedeckt.
  9. Geeignetes Antennenkabel verwenden
    Werden Antennen vom Empfänger abgesetzt positioniert sollten Koaxialkabel mit 50 Ohm Wellenwiderstand genutzt werden. Dabei auch auf den Verlust im Kabel achten. 3 dB Verlust kann man ohne große Performance-Einbußen hinnehmen. Darüber sollten aktive Antennen oder HF Booster eingesetzt werden um die Kabelverluste zu kompensieren.
  10. Bei Multi-Kanalsetup Antennen-Splitter einsetzen
    Viele zueinander gelegene Antennen vermindern die Empfangsleistung und es kann zu einer reduzierten Reichweite bzw. auch gegenseitigen Störungen kommen. Bei einem Multikanalsetup mit vielen Empfängern in einem Rack empfehlen wir deshalb den Einsatz von Antennensplittern (UA844) um die Antennenanzahl zu minimieren.

PS: diese Praxistipps sind mit dem Fokus auf Funkmikrofone. Selbiges gilt natürlich genauso für In Ear Monitoring Systeme.

8 Kommentare zu “Was man über Antennen wissen sollte

    • Hallo Alexander,

      durch die spiralförmige Antenne wird die Welle quasi kreisend auf die Reise geschickt. Genau genommen hat die Welle ebenso eine Polarisation, die aber nicht fest in einer Ebene liegt – sondern eben kreisend ist.

      Besten Gruß

      • Na ja, schoen beschrieben schon, aber doch nicht physikalisch ganz korrekt:
        Eine Helix-Antenne besitzt nicht „keine Polarisation“ sonder – je nach Wickelsinn – eine li.- oder re.-drehende. Der Gewinn ist u.a. von der Anzahl der Windungen abhaengig und kommt in vollem Umfang natuerlich nur zur Geltung wenn Sende- und Empfangsantenne dieselbe Polarisation haben. Also es nutzen die erwaehnten 14 dB Gewinn wenig wenn dann auf einer Seite eine linear polarisierte Antenne zum Eninsatz kommt. Das sollte man dem Laien schon mit auf den Weg geben.

      • Servus, DLKE. Du hast natürlich vollkommen Recht. Die gesamten Vorzüge einer Helix-Antenne kommen lediglich zum Tragen, wenn beide (Sende- und Empfangsantenne) als Helix aufgebaut sind. In der Praxis zeigt es sich aber immer wieder, dass mit einer Kombination von Helix und üblichem Rundstrahler eine Verbesserung der HF Stabilität erzielt wird.
        Beste Grüße

  1. Hallo Jürgen,
    sehr interessant geschrieben. Warum gehst du aber nicht auf die Sendeantennen der Funkmikros und Bodypacks ein? Ein Bodypack hat in der regel immer eine geringere Reichweite, weil die kleine Antenne fast immer am Körper anliegt. Die meisten Handfunken haben keine offensichtliche Antenne.
    Wichtig ist sicher auch zu wissen, dass die Höhe der Antennen eine Rolle spielt. Ich muss auf einem Sportplatz ein Bodypack (UC-Serie) und eine Handfunke (SLX)über 100m übertragen. Dazu habe ich zwei“Paddel“ auf Stativen in 4m Höhe platziert. Die Abdeckung reicht über den ganzen Platz, solange der Sprecher nicht von Leuten umringt ist oder sich von den Antennen abwendet.
    Ich glaube, in einem Forum habe ich auch einen interessanten Beitrag zum Zusammenhang zwischen Sendeleistung, Empfindlichkeit und Reichweite gelesen. War der von dir?
    LG

    • Hallo Falk,

      danke für dein Kommentar. Und du hast vollkommen recht mit deinen Anmerkungen. Leider kann man in einem Blogeintrag nicht alle Aspekte mit aufnehmen. Das würde den Rahmen sprengen.

      Aber zur Bestätigung noch ein paar Punkte die beachtet werden sollen:
      – Körperabsorbtion. Antennen am besten vom Körper weg. Bei Taschensendern nicht auf feuchte Haus – sondern Stoff dazwischen.
      – Handfunken haben unterschiedliche Antennen. Die einfachen meistens Rundstrahler (minimale Abstrahlung in axialer Richtung), hochwertigere wie UR2 eine Art Helix Antenne mit annähernd kugelförmiger Abstrahlung.
      – Gerade bei extremen Reichweiten – wie beispielsweise Sportplatz – verbessert eine Hohe Aufstellung der Empfangsantennen die Performance. 4 m ist da ein guter Richtwert.

      Beste Grüße

  2. Pingback: 5 typische Anwendungsfehler bei Funksystemen und deren Vermeidung | Shure Blog

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: