Das Frequenzmanagement der digitalen SM und Beta Funksysteme

GLXD24_Beta58A

Die digitalen SM und Beta Funksysteme (GLXD) arbeiten im 2,4 GHz Bereich.

Der große Vorteil: Dieser Frequenzbereich kann weltweit ohne Anmeldungen oder Lizenzen genutzt werden.
Der damit verbundene Nachteil: In diesem Frequenzbereich tummeln sich viele weitere Geräte. Neben Bluetooth spielt in erster Linie WLAN eine Rolle. Heutzutage ist bei  fast jedem technischen Gerät WLAN eingebaut. Das fängt zu Hause mit Laptop, Tablet PC, Fernseher, Musikstreamer usw. an und geht im Proberaum oder auf der Bühne mit Mischpulten und Lichtsteuerungen weiter. Tendenz steigend. Wir finden fast nirgends mehr einen WLAN-freien Ort. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, ein sinnvoll arbeitendes Frequenzmanagement in ein 2,4 GHz-Funksystem zu implementieren.

Wie genau funktioniert das Frequenzmanagement bei den GLXD-Komponenten?

Ein Blick in die Frequenztabelle kann einen „analogen Funktechniker“ schon sehr verwundern. Es gibt drei verschiedene Gruppen mit bis zu 8 kompatiblen Kanälen. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber hinter jedem Kanal verbergen sich 3 oder sogar 6 einzelne Frequenzen. Aber warum?

GLXD_Frequenztabelle

Schauen wir uns erst einmal die Gruppe 3 an. Dort sind 8 Kanäle aufgelistet mit jeweils 3 Frequenzen. GLXD Systeme funken immer auf drei separaten Frequenzen. Sollte  eine der drei Frequenzen im Betrieb gestört werden – beispielsweise durch einen neu aktivierten WLAN Kanal – so wird das Audiosignal auf den verbleibenden zwei Frequenzen übertragen. Und das ohne klangliche Einbußen. Sollten nun noch weitere Störfrequenzen aufkommen und 2 der 3 Frequenzen werden gestört, so bleibt immer noch eine letzte Frequenz zur Audioübertragung. Allerdings müssen nun Abstriche beim Klang gemacht werden. Das klingt dann so ähnlich wie ein schlechtes MP3. Noch einen Schritt weiter: Werden alle drei Frequenzen gestört, kann der Empfänger kein sinnvolles Audiosignal mehr empfangen und schaltet den Ausgang stumm. In diesem Fall tritt auch kein Rauschen auf.

In der Praxis: Wird am Empfänger die Gruppe 3 manuell eingestellt, so scannt der Empfänger sofort den Frequenzbereich  durch und sucht sich passend zum Umfeld einen freien Kanal*. Wird nun der verlinkte Sender eingeschaltet, synchronisiert er sich automatisch mit dem gefundenen, freien Kanal. Eventuell weitere  GLXD Systeme werden nun nach und nach in dieser Form an den Start gebracht. Die so gefundenen Kanäle stören sich weder gegenseitig noch stören sie bereits vorhandene WLAN Geräte. Ohne WLAN vor Ort können 8 Funksysteme parallel eingesetzt werden. Bei vorhandenem WLAN kann sich diese Anzahl reduzieren.

Sollten nun während der Show weitere WLAN Geräte hinzukommen oder ein vorhandener WLAN Kanal auf einen anderen Kanal wechseln, können die Funkstrecken, wie oben erklärt, gestört werden. Im Idealfall wird von den jeweils drei Frequenzen nur eine beeinträchtigt. So ist die Störung nicht einmal wahrnehmbar.

Bei der Gruppe 3 können also bis zu 8 Funksysteme in geregelter WLAN-Umgebung genutzt werden. Empfehlung: Sollte man Zugriff auf vorhandene WLAN Geräte haben, sollten diese auf einen festen Kanal gesetzt werden.

Schauen wir uns nun Gruppe 2 genauer an. Hier finden wir „nur“ 5 Kanäle – allerdings mit 6 verschiedenen Frequenzen. Auch in dieser Gruppe senden die GLXD-Komponenten auf drei separaten Frequenzen. Sollte nun aber der Empfänger auf einer (oder mehreren) dieser Frequenzen eine Störung bemerken, wird nahtlos auf eine (oder mehrere) Backup-Frequenz(en) umschaltetet. Dies geschieht üblicherweise unhörbar. Damit arbeitet das GLXD System in dieser Gruppe auch bei aufkommendem und wechselnden WLAN-Bedingungen automatisch und zuverlässig; und dies bei bis zu 5 Systemen, die parallel genutzt werden können.

Bleibt noch zu klären, was in der Gruppe 1 passiert. Diese arbeitet genau wie die Gruppe 2. Nur wurde hier auf eine möglichst geringe Latenz optimiert. Geringe Latenz bedeutet unter anderem einen höheren Rechenaufwand. Aus diesem Grund wird hier die maximale Kanalanzahl auf 4 Funksysteme reduziert und die Latenz sinkt von 7,3 ms auf 4 ms.

Merke ich, wenn die Frequenzen automatisch geändert werden?

Eigentlich nein. Der gesamte Vorgang wird vom System unmerklich – und damit auch unhörbar – vorgenommen. Bei stärkeren Störungen kann eine kurze Beeinträchtigung des Signals wahrgenommen werden. Doch hört es Euch doch einfach mal selbst an: Soundfile.

Das automatische Wechseln der Frequenz bei Aktivierung eines WLAN Kanals

Das automatische Wechseln der Frequenz bei Aktivierung eines WLAN Kanals

Die drei Gruppen im Überblick:

  • Gruppe 1: Automatisches Wechseln der Frequenz(en) bei aufkommenden Störungen, kürzeste Latenz mit bis zu 4 parallel nutzbaren Systemen.
  • Gruppe 2: Höchste Stabilität durch automatisches Wechseln der Freqeunz(en) bei aufkommenden Störungen und höhere Latenz  bei bis zu 5 parallel nutzbaren Systemen.
  • Gruppe 3: Nutzung von bis zu 8 Systeme parallel in einer geregelten WLAN-Umgebung .

Das hört sich klasse an. Funktioniert das immer?

Generell ist GLXD so konzipiert, dass es „out of the box“ auch in WLAN Umgebungen zuverlässig und störungsfrei betrieben werden kann. Allerdings kann bei aktivem WLAN vor Ort die maximal erreichbare Anzahl von parallel genutzten Systemen eingeschränkt werden.

WLAN ist leider wenig berechenbar und nicht vorhersehbar. Es treten sowohl wechselnde Sendeleistung als auch wechselnde Sendekanäle auf. Deswegen empfehlen wir ein paar  Randbedingungen einzuhalten. Der wichtigste Punkt, der zu beachten ist: Extrem viel Hochfrequenz-Energie im Empfänger kann zu Drop-Outs und reduzierter Reichweite führen . Vergleichbar ist dies mit einem clippenden Verstärker: Bei zu hohem Pegel werden die Spitzen abgeschnitten und es treten Oberwellen auf. Das macht quasi das ganze WLAN Band dicht und das schwache Signal des Senders kann nicht mehr durchdringen.

Was bedeutet das in der Praxis? Andere WLAN Geräte sollten nicht in unmittelbarer Nähe zum Empfänger platziert werden. Also bitte nicht das Smartphone, das über WLAN eMails zieht, auf den Empfänger legen. Auch nicht ein Laptop auf das Empfänger-Rack legen und damit Videos streamen. Solltet Ihr in Eurem Bühnen-Setup einen WLAN Access Point benötigen (um beispielsweise mittels WLAN das Mischpult zu steuern), so empfehlen wir, diesen mindestens 3 m entfernt vom Empfänger zu platzieren.

Troubleshooting:

  • Nicht genutzte WLAN Geräte ausschalten
  • Gruppe 2 verwenden
  • Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger herstellen
  • Abstand zwischen Sender und Empfänger 2 – 30 m einhalten

GLXD16Noch ein praktischer Hinweis:

Es können mehrere Sender mit einem Empfänger gelinkt werden. Dies ist sehr praktisch für Gitarristen, die mit mehreren Gitarren auf der Bühne arbeiten. Jede Gitarre bekommt einen eigenen Sender, der am Gitarrengurt verbleibt. Beim Wechsel der Gitarre muss nun nur der eine Sender ausgeschaltet, der zweite eingeschaltet werden. Und das Beste daran: Unterschiedliche Gain-Einstellungen (aufgrund von aktiven bzw. passiven Pickups) bleiben fest im Sender gespeichert. Gleiches funktioniert natürlich auch mit Handsendern, wenn beispielsweise verschiedene Sänger nacheinander performen.

_______________

*Sollte der komplette WLAN Bereich bereits belegt sein, zeigt dies der Empfänger mit blinkenden Strichen an. In diesem Fall muss vorhandenes WLAN ausgeschaltet werden. Oder man greift zu einem anderen Funksystem oder gar drahtgebundenen Mikrofonen.

Weiterführende Links:

3 Kommentare zu “Das Frequenzmanagement der digitalen SM und Beta Funksysteme

  1. Pingback: Shure SLX vs GLXD

  2. Pingback: Setup-Videoanleitungen für PG, SM und Beta Funksysteme | Shure Blog

  3. Pingback: Die Fakten über digitale Funksysteme | Shure Blog

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: