Backstage beim Montreux Jazz Festival 2013 – Teil 4

Das Festival ist mittlerweile zu Ende und ich bin auch bereits wieder zurück im Büro in unserer Zentrale in Eppingen. Aber ich möchte Euch den Abschlussteil natürlich nicht vorenthalten. Zumal noch einiges geboten war.

Donnerstag: Diana Krall und George Benson in der Stravinski Halle. Im Jazz Club Bob James, David Sanborn, Steve Gadd und James Genus. Im Jazz Lab am Donnerstag und Freitag „nur“ DJ´s bis früh morgens. Am Nachmittag die Soundcrew von George Benson getroffen. Der FOH Eng. ist ein alter Bekannter und schon lange mit Benson unterwegs. Sehenswerte Show am Abend, die unter dem Motto „The Hits“ stand. Am späten Nachmittag kam ein Anruf vom Nestle Stand an der See Promenade. Sie berichteten von „irgendwelchen“ Problemen mit ihren Funksystemen. Ich habe dann erst mal vor Ort nachgesehen, da wir diese Location eigentlich nicht mit Equipment ausgestattet haben. Es stellte sich dann heraus dass die Funksysteme (UHF-R) vom lokalen PA Verleiher stammen und für eine besondere Attraktion benötigt werden. Am Abend sollte ein Video auf eine riesige Wand aus Wasserspray projiziert werden. Etwas entfernt vom Ufer lag ein Boot vor Anker mit den entsprechenden Videoprojektoren. Zudem sollte am Nestlestand das Audio entsprechend übertragen werden. Dazu wurde eine Point-to-Point Übertragung vom Boot zur Plattform am Ufer benötigt. Die eingestellten Frequenzen lagen allerdings ungünstig im FS Kanal 34. Der ist in Montreux bereits von einem digitalen Sender belegt. Und im Freien nicht zu verwenden. Habe die Anlage neu eingestellt. Noch einen Kaffee als „Dank“ und zurück ins Office. Meeting mit der Festivalproduktion bezüglich der Proben für die „Closing Night“ Sonntag. Geplant war ein nachträgliches Special zu Quincy Jones´ 80 Geburtstag und Tribute an Claude Nobs. Das muss natürlich entsprechend vorbereitet und geprobt werden. Die Proben fanden am Freitag/Samstag im Untergeschoss des Petit Palais statt. Das ist Teil des Montreux Palace und liegt zwischen Hauptstrasse und der Seepromenade. Für die Proben haben wir die komplette Mikrofonierung und die Funk-/InEar Systeme bereitgestellt.

Konzert DeepPurple from FOHFreute mich auf Freitag. Brian May & Kerry Ellis in Stravinski.  Zusätzlich lediglich noch unterstützt von einem Keyboarder. Schönes Konzert mit einigen Queen Klassikern und anderen bekannten Titeln. Die sehr entspannte und lockere Art von Brian May kam beim Publikum bestens an. Als er nach den ersten Titeln auf der Akku Gitarre dann seine E-Gitarre gereicht bekam und  mit „Tie your Mother down“ los legte war die Stimmung am Kochen. Danach Deep Purple. Was soll man sagen. Deep Purple gehören zu Montreux wie der Genfer See, das Casino oder das Jazz Festival. Nicht zuletzt wegen des Übersongs „Smoke on the Water“. Routinierte und solide 2h Show wie man es von Purple gewohnt ist. Auch die Songs vom neuen Album kamen sehr gut an. Der Song Smoke on the water wurde Live auf eine Leinwand auf der Open Air Bühne übertragen. Im Jazz Club war George Benson. Dieses Mal aber mit einer Accoustic Show. Tagsüber immer wieder mal zu den Proben für das Quincy Special ins Petit Palet. Bei der Produktion gab es immer wieder die ein oder andere Änderung. Weitere Mikros oder Funksysteme wurden benötigt. Am Abend wurde dann in einer feierlichen Zeremonie an Claude Nobs erinnert. Er bekommt seine eigene Strasse. Die Behörden der Stadt Montreux taufen die Eingangsstrasse von Montreux auf dem Abschnitt zwischen der Grand-Rue und dem Royal Plaza auf den Namen «Avenue Claude Nobs». Künftig werden also die Büros der Stiftung des Jazz Festivals, das Kongresszentrum mit seinen Konzertsälen und das Hotel Montreux Palace noch enger mit dem Namen des Begründers des Montreux Jazz Festivals verbunden sein.

Konzert Joe Cocker from FOHSamstag. Offiziell letzter Festival Tag. Joe Cocker als Hauptact in Stravinski. Tolle Show mit vielen Hits. Klanglich fehlte mir allerdings etwas die Wärme in seiner Stimme. Fand sie zu höhenlastig. Ist aber Geschmacksache. Im Jazz Club Take 6. Ein A-cappella-Gospelsextett. Bei den Proben am Nachmittag entdecke ich ein kleines Rack mit 2x ULXD4Q Quad-Empfängern unseres digitalen Funksystems. Sozusagen die eigene „kleine Backline“ der Band. Viel mehr an Equipment braucht eine A-cappella-Truppe ja nicht wirklich. Ich traf die Band dann gegen später auch nochmal bei den Quincy Proben. Der Produktionsleiter der Quincy Show hatte ein Shure Shirt an. Sie wollten unbedingt auch so eins. Gegen später bekam ich nochmal einen Anruf vom Produktionsleiter. Die Israelische Sängerin NOA wäre bei ihm und fragte nach einem T-Shirt. Ja klar. Sie möchte ein T-Shirt. Doch meinte er. Sie würde bei ihm warten und ob ich noch ein Shirt für sie hätte. 10 Minuten später war ich dann wieder im Petit Palais und NOA hat tatsächlich auf ihr T-Shirt gewartet😉. Nach den Proben wurde das Equipment vom Petit Palais in die Stravinski Halle transportiert und nach der Joe Cocker Show das Setup für den nächsten Tag vorbereitet.

Quincy Jones 80th Birthday Special in Tribute to Claude Nobs from Monitor areaSonntag: Festival ist offiziell beendet. Die Stände auf der Seepromenade werden bereits abgebaut. Von diversen Bühnen kommt bereits unser Equipment zurück. Im Laufe des Tages überprüfen wir das Equipment auf Vollständigkeit in unserem Büro. Erste Vorbereitungen zum Rücktransport der Ware. In Stravinski findet die closing night statt. The Official European Quincy Jones 80th Birthday Special in Tribute to Claude Nobs. Im Jazz Club Philipp Fankhauser und Chucho Valdés. Für die Quincy Show sind wieder alle 16 Axient Kanäle sowie 14 PSM 1000 InEar Systeme im Einsatz. Große Produktion unter anderem auch mit der Pepe Lienhard Big Band. Musikalischer Leiter der Tribute Show ist Greg Phillinganes. An den Drums John JR Robinson. Beide langjährige „Weggefährten“ und Studiomusiker von Quincy Jones. Der ganze Tag wird wieder mit Aufbau und Proben verbracht. Gegen 18.00 dann „schnell“ noch Umbau für den zweiten Akt am Abend. Marcus Miller. Gegen Ende der Marcus Miller Show und zum Umbau für die Finale Quincy Show war ich wieder am Monitorplatz in Stravinski. Als sich plötzlich eine Hektik ausbreitete. Ein Techniker von Digico (auch technischer Partner und Supplier der Digitalen Mischpulte) kam auf die Bühne und sprach mit dem Monitor Eng. Nach einigen Minuten kam er zu mir und meinte dass der Monitor Eng. in „big trouble“ wäre. Ich fragte nach dem warum? Er sagte, vermutlich wurde vergessen die „Session“ nach dem Soundcheck zu speichern. Das heißt der komplette Monitormix der während des Soundchecks am Nachmittag in stundenlanger Arbeit justiert und eingestellt wurde ist nicht zu finden. Very big trouble! Das heißt der komplette Monitormix muss neu erstellt werden. Die Show verzögert sich um fast 1h. Die Musiker warteten hinter der Bühne und die Stimmung war verständlicherweise nicht sonderlich gut. Die Show war dann aber dennoch ein würdiger Abschluss des Festivals und eine gelungen Tribute Veranstaltung für Claude Nobs. Nach der Show habe ich mich von der Soundcrew verabschiedet und noch den ein oder anderen Musiker getroffen.

Montag: Die restliche Ware kommt zurück ins Büro. Wir zählen und überprüfen alles und bereiten die Ware zur Abholung am nächsten Tag vor. Die ein oder andere Position fehlt noch und ich muss diverse Leute anrufen um nach der Ware zu fragen. Gegen späten Nachmittag ist dann aber soweit alles wieder zurück. Bis auf diverse Einzelteile die immer mal fehlen bei einem Festival. Wir hatten immerhin über 1500 einzelne Artikel auf 16 Bühnen/Locations verteilt. Gegen 17.30 waren dann die Paletten und Rollcases fertig zur Abholung.

Dienstag: Abholung der Ware um 10.00 durch Spedition. Danach noch Büroschlüssel abgeben. Auschecken im Hotel und gegen 13.00 auf den Heimweg machen. 3 Wochen sind wieder mal fast wie im Flug vergangen. Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell alles vorbei ist. Dieses Jahr mit 18 Konzerttagen. Die lange Vorbereitung des Equipments in unserer Zentrale in Eppingen. Die Anlieferung und der Aufbau vor Ort. Die vielen tollen Momente während des Festivals. Lange Tage und Nächte. Eine super Crew und Produktion mit denen es wirklich Spaß macht zu arbeiten. Schön war es wieder. Aber ich freue mich jetzt auch auf ein schönes Wochenende zu Hause. Ohne Hotline und kurzfristige Anfragen nach Mikros, Wireless, InEars, Kopfhörern oder T-Shirts😉.

Hoffe wir sehen uns dann wieder im nächsten Jahr. Wenn es vom 4.-19. Juli 2014 zum 48. Montreux Jazz Festival geht.

Wünsche euch einen schönen Sommer.

Beste Grüße,

Michael

2 Kommentare zu “Backstage beim Montreux Jazz Festival 2013 – Teil 4

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