Die Geschichte des Shure SM7(B)

Das Shure SM7 ist ein dynamisches Sprechermikrofon und wurde 1976 erstmals vorgestellt. Dieses Mikro, das heute als SM7B erhältlich ist, verfügt über eine beeindruckende Geschichte und hat vor allem in den letzten zwei Jahren eine regelrechte Renaissance erlebt. Aber warum? Um das herauszufinden, haben wir uns mit John Born, Product Manager bei Shure, unterhalten. Vorab weist er uns aber auch darauf hin, dass jede Diskussion über das SM7B auch die Modelle SM5 und SM57 einschließen muss. Diese beiden Mikros waren, zu unterschiedlichen Zeiten, der Standard, an dem das SM7 gemessen wurde.

Ein Ausflug in die Vergangenheit

Die Geschichte des SM7 beginnt mit dem SM5 Broadcast-Mikrofon – ein dynamisches Mikrofon, das nach seiner Vorstellung im Jahre 1966 schnell den Weg in viele Radio- und TV-Stationen fand.

Auszug aus dem Shure Produktkatalog, 1974

Obwohl sich das SM5 im Broadcastbereich großer Beliebtheit erfreute, entschied sich Shure, ein Update mit kompakterem Formfaktor zu entwickeln (das SM5 war geradezu riesig – 25 cm lang). Gleichzeitig sollten einige der Klangeigenschaften des erst kurz zuvor vorgestellten SM57 berücksichtigt werden, um weitere Märkte, abseits der Broadcast-Industrie, zu erschließen.

Doug Johnson vom Sender KPCC vor einem SM5B. Ganz schön stattlich, oder?
(Copywrite: http://www.courant.org)

Laut John ging die Entwicklung des SM7 ungefähr so vonstatten: „Eine Gruppe von Shure Ingenieuren bekamen die Kapsel des SM57 (Unidyne III) und den Auftrag, ungeachtet irgendwelcher Größen- oder Kosten-Vorschriften, es besser zu machen. Dabei haben sie sich ganz schön verausgabt.“

Variationen der Shure Unidyne III Kapsel finden sich in vielen dynamischen Shure Mikrofonen wieder. SM57, SM58 und SM7B sind allesamt akustisch ähnlich aufgebaut, aber dennoch gibt es einige Unterschiede zwischen der Kapsel im SM7B und der im SM57/SM58:

Die Membran des SM7B wurde speziell für einen verbesserten Bassbereich optimiert

  • Das größere Gehäuse des SM7B ermöglicht tiefere Resonanzen –  wodurch ein kräftigere Basswiedergabe erzielt wird
  • Der integrierte Erschütterungsabsorber des SM7B ist darauf ausgelegt, Stativ-Vibrationen zu minimieren, während der Absorber im SM57/SM58 darauf optimiert wurde, Handling-Geräusche zu reduzieren

Noch ein paar Infos von John: „Das SM7 war als Allzweckmikrofon konzipiert und damit praktisch universell einsetzbar. Es verfügt über einen gleichmäßigeren und breiteren Frequenzgang als die Modelle SM57 und SM58. Doch durch Features wie die schaltbare Bassabsenkung und Präsenzanhebung schneidet das SM7 auch in Disziplinen, in denen SM57 und SM58 zuhause sind, gut ab.“

Das SM7 wurde 1976 auf den Markt gebracht und ersetzte schließlich das SM5B, dessen Produktion 1986 eingestellt wurde.

Der Thriller Effekt

Im Laufe der letzten 30 Jahre fand das SM7 unter Anderem seinen Weg in die Recording-Studios. Der wohl bekannteste Fall: Michael Jacksons überragendes Album „Thriller“. Quincy Jones und sein Aufnahme-Ingenieur Bruce Swedien verwendeten hierbei das SM7 für fast alle Gesangsaufnahmen von Michael.

Das war eine recht gewagte Wahl. Zunächst einmal war das vorherige Michael Jackson Album „Off The Wall“ die erste Solo-Platte, die allein vier Top 10 Single-Auskopplungen zu Tage förderte – plus einen Grammy für die Single „Don’t stop til you get enough“. Da war die Messlatte natürlich ganz schön hoch angesetzt. Aber Michael Jackson hatte den Anspruch, es noch besser zu machen und engagierte dafür das gleiche Produktionsteam wie zuvor. Das daraus resultierende Werk „Thriller“ von 1982 (man bedenke, wir reden hier von Vinyl) entwickelte sich zum meistverkauften Album aller Zeiten – sage und schreibe 110 Millionen Stück wurden bis heute verkauft.

Warum wurde ausgerechnet das SM7, welches damals eher der Standard für Radio und Voice Over war, ausgewählt, obwohl den Produzenten diverse High-End Recording-Mikrofone zur Verfügung standen? Diese Frage hat Bruce Swedien bereits in seinem Buch „In the Studio with Michael Jackson“ beantwortet: „Das Shure SM7 ist eines meiner absoluten Lieblingsmikrofone. Ich habe die meisten Michael Jackson Hits mit diesem Mikro aufgenommen, es ist einfach ein großartiges Mic.“

“Ich hatte quasi Narrenfreiheit bei der Wahl meiner Mikrofone und keiner hat sich je eingemischt. Ich machte einfach, was mir richtig erschien. So verwendete ich z. B. ein Shure SM7 für die meisten von Michaels Lead-Gesängen. „Bille Jean“, „The way you make me feel“ – und da machten einige ganz große Augen. Aber ich liebe dieses Mikro und habe immerhin sechs Stück davon. Das erste habe ich 1977 gekauft, eines der ersten SM7, das überhaupt bei einem größeren Musikprojekt verwendet wurde. Logischerweise ist es dynamisch und hat einen großartigen Job gemacht, alle Lyrics von Michael sind extrem klar und verständlich.“

Was sind die Unterschiede zwischen SM7, SM7A und SM7B?

  • Das SM7 ist der Ursprung und wurde 1975 vorgestellt
  • Das überarbeitete SM7A kam 1999 auf den Markt und beinhaltete u. a. eine verbesserte Brummkompensationsspule
  • 2001 folgte dann das SM7B, das mit einem größeren Windschutz ausgestattet ist
  • Klangtechnisch sind alle drei Mikrofon-Versionen identisch

Nichts ist unmöglich

Während jede Menge echter Fans die Hoffnung nie aufgegeben haben, dass Shure eines Tages das SM5B zurückbringt, hat das SM7B zwischenzeitlich einen beachtlichen Popularitätsgrad erreicht, das ihm schon fast (Audio-) Legenden Status einbringt. Die Verwendung als Instrumenten- und Vokalmikrofon im Live-, Broadcast- und Recording-Bereich hat ihm diese „alles ist möglich“ Aura verliehen.

Ryan Smith, bei Shure zuständig für Artist Relations, stimmt zu: „Das SM7B kommt regelmäßig bei größeren Produktionen zum Einsatz, sowohl für den Lead-Gesang als auch für andere Applikationen – Gitarrenverstärker, Bassverstärker, Kick Drum, Hihat, Snare und viele mehr.“ Death Cab for Cutie, John Mayer, James Hetfield, Keith Urban, My Chemical Romance, Billy Idol und Mando Diao vertrauten bereits auf das SM7B. Und angeblich soll auch Bob Dylan ein großer Fan sein.

Eure Entscheidung

Offensichtlich hat das SM7B die Ansprüche, die die Ingenieure in den 70ern bei der Entwicklung hatten, mehr als erfüllt. Und während es z. B. schlechte Aufnahmebedingungen verschleiert, mit schrillen Gesangseinlagen klar kommt und sich sowohl für die Bassdrum als auch für Gitarrenverstärker eignet, könnt nur Ihr entscheiden, wofür Ihr dieses Mic einsetzen wollt.

Am besten, Ihr testet und vergleicht das SM7B selbst. Schließlich ist guter Sound rein subjektiv.

4 Kommentare zu “Die Geschichte des Shure SM7(B)

  1. Pingback: Vocal SM 7

  2. Pingback: Vocal Neues Gesangsmicrophone

  3. Ich habe das SM7B jetzt doch einmal getestet und kann nur voll zustimmen. Das ist tatsächlich ein Allround-Talent und für alles geeignet, egal, ob Gesang oder Instrumental. Für mich kommt kein anderes Mikro mehr in Frage und ich kann es nur allen Musikern ans Herz legen und wärmstens empfehlen. Testet es selbst, das Mikro spricht am besten für sich selbst.

  4. Pingback: 3 Alternativen zum SM57 | Shure Blog

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