Backstage beim Montreux Jazz Festival 2012 – Teil 4

05.07.12: Am Donnerstag war wie bereits erwähnt Erykah Badu auf der Bühne in Stravinski. Zudem Youssoupha und M.I.A. M.I.A. war der letzte Act in Stravinski. Die „Band“ bestand aus einem DJ, einer Tänzerin/Background Sängerin, einem Tänzer und eben der Sängerin die unter dem Kürzel M.I.A. auftritt. Es war kein einziges Instrument auf der Bühne. Nicht mein Ding. Nach dem doch recht ordentlichen Konzert von Erykah Badu dachten sich das wohl auch ca. 50% der Zuschauer.  Die Halle hat sich bereits deutlich gelehrt.

In der Miles Davis Halle spielten Rumer und Rufus Wainwright. Am Abend ging dann noch ein heftiges Gewitter über dem Festival nieder. Die Außenbereiche lehrten sich entsprechend und die Leute zogen sich an die diversen überdachten Bars zurück. Für eine Band im Jazz Cafe habe ich noch 2x MX150B/O-XLR Ansteckmikros und ein KSM44A bereitgestellt. Ansteckmikros wurden für Cello und Geige verwendet. Das KSM44A in der Achtercharakteristik zwischen 2 Kesselpauken platziert.

06.07.12: Wetter immer noch sehr wechselhaft. Tagsüber recht schwül. Am frühen Abend windig mit leichtem Regen. Es kühlt merklich ab. Heute ist Brasilianische Nacht in Stravinski. 3 Bands (Luiz Melodia, Adriana Calcanhotto und Cidade Nagra) sollen für entsprechende Stimmung sorgen. Ist leider nicht ganz gelungen. Von den typischen ausgelassenen Partys und der Stimmung die ich von früheren brasilianischen Abenden in Stravinski kenne war das weit entfernt. Schade.

In der Miles Davis Halle spielen Garland Jeffreys (bekannt hauptsächlich durch den Song „Matador“ und später noch „Hail Hail Rock´n Roll“), Rodrigo Y Gabriela and C.U.B.A und Bebe Winans. Für Rodrigo Y Gabriela wurden am Nachmittag noch ein paar Instrumente im Montreux Palace zum Proben bzw. Rehearsal aufgebaut. Bin dort zufällig vorbeigekommen als ich einen Teil unseres Equipments von der Voice Competition abgebaut habe. Wegen einer der Bands in Miles musste ich das gesamte Frequenzsetup unserer Systeme ändern. Das bandeigene Wireless lief im exakt gleichen Band wie unsere Systeme. Zudem mit einer für diese Bühne viel zu hohen Sendeleistung. Ebenso wollte der Monitor Eng. der Band evtl. die Frequenzen vor dem Auftritt nochmal kurzfristig ändern. Nach Rücksprache mit dem Stage Manager wurde ihm aber klar gemacht, dass das nicht so ohne weiteres geht. Das Frequenzsetup vom Soundcheck sollte beibehalten werden. Alle Frequenzkalkulationen werden nachmittags koordiniert und es gibt in der Regel keinen Grund daran am Abend etwas zu ändern. Zumindest nicht ohne zwingenden Grund und mit sofortiger Rücksprache. Als sich der Monitor Eng. endlich auf ein Setup für seine Systeme festgelegt hatte, habe ich unsere Frequenzen entsprechend in sein Setup integriert. Es lief dann auch am Abend tadellos und ohne Probleme. Alles war gut. Nach Beendigung der Hauptkonzerte dann wie meistens noch bei der Funky Claude Jam Bühne im Miles Davis Foyer vorbeigeschaut.

07.07.12: Schöner Tag, gutes Wetter und es wird der bisher bestbesuchte Tag auf dem Festivalgelände. Gegen Abend drängen sich die Menschenmassen an der Uferpromenade und vor den diversen Ständen. Auch der Platz im Park vor der Open Air Bühne ist brechend voll. Auf der Bühne in der Stravinski Halle spielen Van Morrison und Buddy Guy. Auf der Miles Davis Bühne James Carter Organ Trio, Spectrum Road und Neneh Cherry & The Thing. Auf Spectrum Road bin ich besonders gespannt. Ist ein Bandprojekt bestehend aus Jack Bruce (Cream) am Bass, Vernon Reed (Living Color) an der Gitarre, Cindy Blackman-Santana (Lenny Kravitz) am Schlagzeug und John Medeski an den Keyboards bzw. an der Hammond Organ. Als Special Guest kam dann noch der Gitarrist John McLaughlin hinzu. Leider war der Sound bei dieser Performance nicht sonderlich gut. Musikalisch hat sich das ca. 1 stündige Konzert dann hauptsächlich auf ausgeprägte Soli der einzelnen Musiker beschränkt. Sicherlich nichts für die breite Masse. Die Halle war auch nur halb voll (oder halb leer :-().

Den Abschluss in Miles machte dann Neneh Cherry. Und diese Performance hat wohl bislang, zumindest was ich gesehen habe, am meisten enttäuscht. Sie hat die Halle buchstäblich leer gespielt. Am Ende waren vielleicht noch 200 Zuschauer in der Halle. Schade, das war nichts. Da waren die Auftritte von Buddy Guy und Van Morrison in der Stravinski Hallo doch wesentlich unterhaltsamer. Obwohl Van Morrison auch keinerlei Kontakt bzw. Worte zum Publikum übrig hatte. Ich finde so etwas immer schade bzw. schon fast unverschämt, auf die Bühne zu gehen, sein Programm abzuspulen und dann ohne eine paar Worte ans Publikum einfach wieder zu verschwinden. Aber bei Van Morrison und auch Bob Dylan (spielt morgen) gehört das ja schon zum Programm ;-).

08.07.12: Sehr schön und sonnig. Es sollte der erste etwas ruhigere Tag werden. Bob Dylan in der Stravinski Halle. Eigene Produktion und Crew. Für den Aufbau und Soundcheck war der ganze Nachmittag eingeplant. Die Band die nach Bob Dylan noch spielen sollte musste ohne vorherigen Soundcheck um ca. 22.00 auf die Bühne. Der Umbau dauerte entsprechend lang. Ich glaub es war schon kurz nach 23.00 als „Chicago Blues: A Living History“ zu spielen anfingen.

Bob Dylan spielte ca. 2h. Wer Bob Dylan schon mal live gesehen hat weiß, dass er seine Lieder auf ganz eigene Art und Weise interpretiert. Er ist ja auch nicht unbedingt als begnadeter Live-Künstler bekannt. Kontakt mit dem Publikum bzw. ein paar Worte außer seine Band innerhalb eines Songs vor zu stellen war dann auch nicht. Programm abspielen und fertig. Oft waren seine Lieder erst im Refrain bzw. anhand des Textes im Refrain erkennbar. Mal ganz abgesehen von seiner gesanglichen Darbietung. Meiner Meinung nach war seine Stimme auch zu stark im Vordergrund und hat die Songs der eigentlich recht ordentlich spielenden Band teilweise schon fast ruiniert. Sorry für die derbe Kritik. Zudem hat sich die Band doch das ein oder andere Mal verspielt. Naja, darüber kann man hinwegsehen. Er ist unbestritten einer der größten Songschreiber des 20sten Jahrhunderts und seine Lieder wurden von unzähligen Musikern gecovert. Meistens sind die Coverversionen auch weitaus bekannter als Bob Dylans Original. Und wer auf ein Bob Dylan Konzert geht weiß vermutlich mittlerweile was ihn erwartet.

Auf der Miles Davis Bühne ging es auch ziemlich ruhig zu. Französischer Chanson mit Juliette Gréco und anschließend Axelle Red, die kurzfristig für Jane Birkin ins Programm kam. So, jetzt ist es Zeit für den Soundcheck von Pitbull in Stravinski.

Wow, schon wieder Montag. Die Zeit vergeht rasend schnell und das Festival geht bereits in die zweite Woche. 10 von 16 Konzerttagen sind bereits hinter uns. Weiter geht es dann in Teil 5. Bis dann

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