Backstage beim Montreux Jazz Festival 2012 – Teil 2

27.06.12: Ich bin am Mittwoch in Montreux angekommen. Nach dem Einchecken im Hotel muss ich wie immer zuerst meinen Access Pass und den Schlüssel zu unserem Büro abholen. Das Wetter ist warm und drückend. Leider kann ich mein Büro am Mittwoch noch nicht einräumen, da das Türschloss defekt ist. Wird aber bis Donnerstag behoben. Unser Equipment wurde mittlerweile auch schon angeliefert und ich mache mich auf den Weg zum Techniklager, um noch mal zu kontrollieren, dass auch alle Racks und Cases angekommen sind. Einige Produkte werden dann noch bei mir im Büro eingelagert. Ist sozusagen mein Backup, falls mal schnell noch das eine oder andere Mikro oder Funksystem kurzfristig irgendwo benötigt wird.

Unser Büro befindet sich in der Haupteingangshalle. Abgegrenzt „nur“ durch mobile und steckbare Wandelemente. Keine Decke. Direkt nebenan ist die Bühne einer Schweizer Radiostation. Dort finden täglich zwischen 18.00-20.00 Liveinterviews mit diversen Künstlern bzw. Musikern satt. Das Büro liegt sehr zentral und ich kann die Hauptbühne im Auditorium Stravinski in weniger als 1 Minute erreichen. Zur Miles Davis Halle, der zweiten kostenpflichtigen Bühne ist es auch nur etwas mehr als 1 Minute.

28.06.12: Am Donnerstag früh kann ich dann das Büro weiter einräumen. Danach kontrolliere ich, ob unser Equipment auch bei den diversen Bühnen angekommen ist und dass die Funksysteme korrekt installiert wurden. Die meisten Techniker und die Sound Crew sind schon viele Jahre beim Festival, sodass die Einweisung in die Anwendung der Funksysteme recht schnell geht. Mit dem UHF-R Funksystem und dem PSM 1000 InEar System haben die Techniker schon in den vergangenen Jahren gearbeitet. Mit Ausnahme der Stravinski Halle, bei der wir dieses Jahr das neue Axient Funksystem im Einsatz haben. Dazu aber später mehr.

Nachdem alle Funksysteme aufgebaut und in Betrieb genommen sind, muss ich noch die üblichen Justierungen am Frequenzsetup machen. Trotz aller Vorbereitung und Planung lässt es sich auf einem Festival natürlich nicht vermeiden, dass man Vorort noch die eine oder andere Überraschung erlebt. Speziell wenn es um den Betrieb von Funksystemen geht. Beim Rundgang durch das Festivalgebäude sind mir dann doch noch weitere Funksysteme aufgefallen, die z.B. von Radio-/Rundfunkstationen mitgebracht wurden oder aber von externen mobilen Broadcast Teams verwendet werden.

Am Donnerstagabend gegen 20.00 war dann, was meinen Teil angeht, alles soweit fertig und betriebsbereit. Das Festival kann jetzt losgehen :-). Bin danach zu meinem Stammitaliener zum Essen und Fußball Italien-Deutschland schauen. Der Ausgang ist ja bekannt. Bin Mitte der zweiten Halbzeit zurück ins Hotel gelaufen und hab die letzten paar Minuten des Spiels noch im Zimmer gesehen :-(.

29.06.12: Freitag dann erster Festivaltag. In Stravinski spielt Bastian Baker und anschließend Amy McDonald. Da die Crew von Amy McDonald viel zu spät anreiste hat sich der Soundcheck entsprechend verzögert. Show-Beginn im Auditorium ist normalerweise um 20.00. Um 19.30 waren die Soundchecks fertig und es konnten endlich die Türen zum Saal geöffnet werden. Sehr schönes Konzert von Amy McDonald. Volles Haus und gute Stimmung. Musik und natürlich speziell ihre Stimme mit hohem Wiedererkennungswert. Wirklich schönes Konzert zum Festivalauftakt.

Auf der Bühne in Miles unter anderem Joe Bonamassa mit seinem Akustik Projekt. Hat mir jetzt nicht sonderlich gefallen. Nachdem ich ihn letztes Jahr hier mit seiner „normalen“ Show gesehen habe.

Im Foyer der Miles Davis Hall wurde eine kleine Bühne aufgebaut. Dort stehen jederzeit Instrumente und eine PA bereit. Hier sollen zu später Stunde und nach Ende der regulären Konzerte Jam Sessions stattfinden. Die ersten beiden Tage blieb das aber noch aus.

30.06.12: Samstag auch noch sonnig und warm. Heute stehen  insgesamt „nur“ zwei Musiker auf der Bühne in Miles. Ed Sheeran und anschließend Chris Cornell (Soundgarden und Audioslave) mit seiner Solo bzw. „Songbook“ Tour. Die Show von Chris Cornell am Abend habe ich leider großteils verpasst. War hauptsächlich auf der Stravinski Bühne beschäftigt. Dort spielten drei Bands (Afrocubism, Kassav´ und Jorge Ben Jor), und es war einiges an Drahtlos-Systemen im Einsatz. Sowohl von den Bands mitgebrachtes als auch unsere „Hausanlage“. Teilweise waren die Systeme der Bands defekt oder nicht wirklich für professionelle Anwendungen vorgesehen. Also musste ich schon mit meinem Backup Equipment aushelfen.

Wie bereits erwähnt haben wir auf der Stravinski Bühne 16 Kanäle unseres Axient Funksystems im Einsatz. Das Setup besteht zudem aus einem Spektrum Manager sowie Antennenverteiler, Ethernet Switch, Wireless Access Point und Akku Ladegeräten. Das System ist komplett vernetzt und ich habe über eine Ethernetverbindung mit meinem Laptop in meinem Büro die Kontrolle darüber. Das heißt, auch wenn ich mal nicht auf der Bühne sein kann, habe ich immer noch die Möglichkeit der Überwachung und kann falls notwendig schnell eingreifen. Mit der Wireless Workbench Software habe ich diverse Möglichkeiten, um z.B. jederzeit einen Live Frequenzscan zu machen.

Umfassende Kontrolle über das System bedeutet auch, ich kann z.B. die Audio Gain Einstellung eines Senders verändern, ohne auf die Bühne laufen und den Sender umständlich vom Musiker holen zu müssen. Mit wenigen Klicks über die Software am PC oder aber auch am Empfänger kann das super schnell angepasst werden. Der Sender folgt jeder dieser Änderungen sofort. Das ist ein Riesenvorteil, speziell hier beim Festival. Handsender werden laufend von neuen Sängern benutzt, die unterschiedlich laut singen. Oder aber die Taschensender werden mal mit Gitarre und dann wieder mit einem Mikro an einer Trommel eingesetzt. Axient erleichtert meinen Job hier beim Festival enorm. Allerdings muss man fairerweise sagen, Axient ist kein System das man eben mal den Soundleuten hinstellt und sagt „hier mach mal“. Keiner der Crew hier auf der Bühne hatte bisher mit Axient gearbeitet. Es ist also unbedingt notwendig die Crew vor Ort auf der Bühne zu unterstützen und das System zu überwachen.

Um kurz vor 2.00 morgens ist Schluss in Stravinski. Der Saal hat sich mittlerweile auch schon reichlich geleert. Als Jorge Ben Jor fertig ist, war der Saal vielleicht noch zu ¼ gefüllt. Ich hole mein Backup Equipment zurück. Abschlussdrink mit der Soundcrew auf der Terrasse im Caviar House. Die bequemerweise nur 10m von meinem Büro entfernt ist :-).

Opening Party, Funky Claude’s Lounge from montreuxjazzfestival on Vimeo.

Ein Kommentar zu “Backstage beim Montreux Jazz Festival 2012 – Teil 2

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