Backstage beim Montreux Jazz Festival 2011 – Teil 1

Michael WolfMichael Wolf ist der Shure Mann beim Montreux Jazz Festival. Er leistet einen 24h Service und Hilfestellung bei Mikrofonen, Funk- und In-Ear Systemen. Seinen exklusiven Einblick auf und hinter die Kulissen wird er hier im Shure Blog während des Festivals mit euch teilen:

29.6.

Es ist wieder mal soweit. Das Montreux Jazz Festival findet dieses Jahr vom 1.-16. Juli statt. Und Shure ist auch dieses Jahr wieder technischer Partner und liefert Mikrofone und Funksysteme für die diversen Bühnen. Und auch ich mache mich wieder auf den Weg nach Montreux. Ankunft in Montreux am späten Nachmittag. Wetter ist nicht sehr vielversprechend. Sehr wolkig und ab 17.00 Uhr heftiger Regen bis in die Nacht.

Nach dem Einchecken mache ich mich auf den Weg zum Festivalgelände. Wie uns bereits im Vorfeld von den Organisatoren des Festivals mitgeteilt wurde, wird es einige Änderungen bezüglich der Büroaufteilung geben. Auch das Shure Office ist nach über 10 Jahren an einem anderen Platz. Es befindet sich jetzt tatsächlich Backstage. Nämlich direkt hinter der Media Stage im Hauptfoyer.  Gott sei Dank finden auf dieser Bühne nur von 18.00 bis 20.00 Uhr Events statt. Sollte sich mit der „Lärmbelästigung“ also in Grenzen halten. Das neue Office ist mit portablen Trennwänden provisorisch für das Festival aufgebaut. Schön ist, dass es doppelt so groß als das alte Office ist. Allerdings habe ich noch kein Licht und auch keinen Kühlschrank. Abschließen kann ich das Büro auch noch nicht. Muss das Einräumen und Einrichten also auf morgen verschieben.

Auf der ersten Tour durch das Gelände treffe ich bereits einige gute alte Bekannte aus den letzten Jahren.  Viele der Crewmitglieder arbeiten schon über Jahre für das Festival. So ist es einfach für mich schnell wieder in eine gewisse Routine zu kommen. Ich muss mich nicht lange vorstellen und jeder weiß was ich bzw. Shure beim Festival macht. Unsere Racks und Cases mit den Mikros und Funksystemen sind auch schon angekommen und werden bereits auf die den Bühnen verteilt. Insgesamt statten wir 12 Bühnen mit unseren Produkten aus. Die Cases und Racks werden in unserer Europaniederlassung in Eppingen vorbereitet und für die jeweiligen Bühnen konfektioniert. Vorort beim Festival müssen diese dann nur noch entsprechend verteilt werden. Planung und erste Gespräche bezüglich der Produkte, die wir auf dem Festival einsetzen werden, finden bereits im April statt. Auch die Frequenzkoordination der über 80 Funksysteme mache ich bereits im Vorfeld. Die Systeme werden dann auch bereits fertig programmiert ans Festival angeliefert.

30.6.

Morgens sehr wolkig und regnerisch. Am Nachmittag kommt die Sonne raus und es wird ein schöner sonniger Tag. Heute werde ich erst mal das Büro einrichten. Ich habe wie immer diverse extra Shure Produkte als „Spare“ dabei, weil erfahrungsgemäß immer wieder jemand noch weitere Mikros, Funksysteme oder noch ein InEar braucht. So auch heute. Auf der Media Stage direkt vor meinem Office bräuchten sie noch ein InEar System für den Reporter. Von dieser Bühne wird täglich ca. 1-2h live vom Festival berichtet. Ich treffe mich mit dem Broadcast Team des Festivals und statte sie mit unserem neuen portablen UR5 Empfänger, sowie einem Handsender und der neuen VP68 (Kugelcharakteristik) Mikrokapsel aus. Und dann geht das Team auch schon zum ersten Interview mit Jimmy Cliff.

Am Nachmittag wird bereits die Bühne im Auditorium Stravinski für Carlos Santana vorbereitet. Santana reist mit kompletter Crew und eigener Backline. Den Monitor Engineer kenne ich bereits und ich bin ihm bei der Frequenzkoordination behilflich. Am Abend dann bis Mitternacht Probe von Carlos Santana und John McLaughlin für die Show am nächsten Tag. Santana spielt mit 2 Drummern. Seit Jahren dabei, Dennis Chambers und jetzt auch mit Cindy Blackman (seit kurzem Frau Santana J)

1.7.

Schöner sonniger Tag. Etwas windig, aber angenehm. So könnte es 2 Wochen bleiben. Festival beginnt. Ich mache noch einige Änderungen am Frequenzsetup unserer Funksysteme. Trotz aller vorherigen Kalkulation bleibt es nicht aus vor Ort noch die Feinjustierung zu machen. Am späten Nachmittag spielt alles. Von mir aus kann es jetzt losgehen. Die Techniker haben meine Mobilnummer. Ich bin also ständig erreichbar.

Eine meiner Hauptaufgaben während des Festivals besteht darin, einen störungsfreien Betrieb unserer Funksysteme  zu gewährleisten. Ich bin behilflich bei der Frequenzkoordination für Bands, die mit eigener Backline anreisen. Während des Aufbaus/Soundchecks kontaktiere ich die Techniker der Bands und sammle sozusagen alle neuen Frequenzen des Tages. Etwaige Interferenzen können so in der Regel bereits am Nachmittag erkannt und behoben werden. So hat man für die Show am Abend dann normalerweise weniger Stress.

Auf den beiden Hauptbühnen Stravinski und Miles Davis spielen 2-3 Bands pro Abend. Jede Band baut bereits am Nachmittag auf und macht Soundcheck. Show-Beginn am Abend ist normalerweise ab 20.00 bzw. 20.30. Nach dem Soundcheck von Jimmy Cliff spreche ich mit dessen FOH Eng. Er fragt ob er evtl. den kompletten Satz Mikrofone für die Band mitnehmen könnte. Sie sind nämlich auf einer Festival Tour und hier in Montreux hat er zum ersten Mal alle Mikros die er sich wünscht. Er war sichtlich zufrieden mit dem Sound. Ich musste ihm leider sagen, dass diese Mikros unentbehrlich sind und hier beim Festival gebraucht werden.  Nach einem Zug an seiner jamaikanischen Rauchware hat er das dann auch eingesehen.

Am Abend sehe ich mir die Show von Carlos Santana und John McLaughlin vom Balkon aus an. Balkon ist komplett bestuhlt und man hat eine super Sicht auf die Bühne. Als das Konzert beginnt ist noch die komplette rechte Seite des Balkons leer. Es füllt sich erst langsam so nach ca. 1h. Diese Plätze werden oft an Sponsoren und Firmen verkauft. Und wenn das Abendessen länger dauert, dann kommt man halt zu spät oder gar nicht. Tickets für diese Sitzplätze hier oben auf dem Balkon kosten für die Show heute übrigens bis zu 240 Franken, also umgerechnet knapp 200 €!

2.7.

Sonnig. Auf meinem kurzen Weg vom Hotel zum Festival bin ich auf dem Gehweg Carlos Santana und seiner Frau über den Weg gelaufen. Sie waren auf  einem Bummel durch Montreux J. Auf der Stravinski Bühne hatten wir gestern auch zwei der neuen VP89M Shotgun Mikros für die Aufnahme des Zuschauerambientes im Einsatz. Der Sound Eng. aus dem Recording Truck und der zuständige Sound Coordinator des Festivals waren äußerst angetan vom Sound. Leider habe ich nur ein Paar dieser neuen Shotguns hier und kann deshalb die anderen Bühnen leider nicht ausstatten.

Heute Abend spielt Santana auf der Hauptbühne. Im Vorprogramm Derek Trucks & Susan Tedeschi. Santana wie üblich mit 2x Percussionisten und diesmal wieder mit nur einem Drummer, Dennis Chambers. Santana war eines meiner ersten großen Konzerte die ich Anfang der 80er gesehen habe. Und ich habe die Band seither einige Male gesehen bzw. gehört. Die Show heute Abend war aber definitiv eine der besseren. Würde sogar sagen die beste Show die ich von ihm bis jetzt gesehen habe. 3 Stunden „The Hits“ aus über 40 Jahren Bandgeschichte. Zudem einige Nummern aus dem aktuellen Album Guitar Heaven – The greatest guitar classics of all time. Sehr geil. Erstes Highlight dieses Jahr für mich.

3.7.

Sonntag = Sonnig! Heute BB King auf der Hauptbühne. Für den Aufbau ist den ganzen Nachmittag Zeit. Für Mr. King´s Performance haben sich noch diverse Gastmusiker angesagt. Wie z. B. Carlos Santana, John McLauglin, Susan Tedeschi, Derek Truck, Shemekia Copeland, etc….. Plus natürlich die unerwarteten Gäste, die so eine Performance beim Festival so einzigartig machen.  Gegen 22 Uhr war  der reguläre Teil des BB King Programms zu Ende.  Danach war bis Mitternacht noch eine Jam Session, bei der auch Randy Crawford mit auf die Bühne kam und unter anderem auch John Lennon´s Imagine sang. Abschluss des Abends im Jazz Cafe, wo sich auch Derek Trucks und Susan Tedeschi mit Band ein Feierabend Bier gönnten J.

4.7.

Sonnig.  Heute jeweils 3 Bands in Stravinski (Lee Ritenour; Robert Randolph und George Benson mit Orchester) und Miles Davis (The Pretty Reckless, Melissa auf der Maur und die Guano Apes). Aufbau und Soundcheck am Nachmittag sind entsprechend tight. Über 90 Audiokanäle für George Benson und Orchester müssen gepatched werden, plus die beiden anderen Acts. Diverse weitere Funksysteme kommen bei den 6 Acts zum Einsatz. Bin den ganzen Nachmittag mit Frequenzen einsammeln und koordinieren beschäftigt.

Ab 17.00 die erste Backstage Tour mit Gästen aus Deutschland. Die letzte Band, die Soundcheck in Miles Davis machen sollte, kommt über 1h zu spät. Ein Crewmitglied wurde auf einer Autobahnraststätte „vergessen“, weil er sich nicht beim Fahrer abgemeldet hatte. Sie mussten dann nochmal umkehren und ihn einsammeln J.

Beide Konzertbühnen sind heute leider nicht ausverkauft. Als die Guano Apes um 23.30 anfangen ist die Miles Davis Halle nur noch halbvoll. Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Um 1.30 ist die letzte Show auf der Hauptbühne vorbei.

Während der Show von George Benson gab es sporadisch ein Knacken auf den Monitor Kanälen. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, wurden deshalb nochmals alle Mikrofone und Kanäle die bei George Benson und Orchester im Einsatz waren aufgebaut. Was bekannt war ist, dass das Problem nur im Monitorweg war. FOH und Recording Tracks sind ok. Das Knacken trat dann tatsächlich wieder auf. Allerdings ließ sich die Quelle nicht eindeutig orten, noch der Fehler durch irgendwelche Eingriffe reproduzieren. Es war einfach ein einzelnes Knacken das sporadisch alle 5-10 Minuten kurz auf den Monitorausgängen zu hören war. Um 4.30 wurde die Fehlersuche dann abgebrochen. Wir sehen morgen weiter.

Hier solange ein Video mit Eindrücken und Stimmen von Künstlern und Besuchern:

MJF News, Week-end July 2nd & 3rd 2011 from montreuxjazzfestival on Vimeo.

Ein Kommentar zu “Backstage beim Montreux Jazz Festival 2011 – Teil 1

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