Technischer Support für 27 Kanal In Ear Monitoring Setup in Oslo

Samstag, 4. September ca. 15:00 Uhr: Ich bekomme einen Anruf von Benedict Mason, dass das 27-kanalige In Ear Monitoring System im Rådhus (Oslo City Call) nicht zufriedenstellend läuft. 3 Stunden später sitze ich im Flieger gen Oslo und um 23:30 treffe ich meinen guten Bekannten Benedict Mason, der mich mit einem erleichterten Strahlen im Eingangsbereich der ehrerbietenden Hallen des Rådhus in Empfang nimmt.

Benedict Mason – ein Komponist der „neuen zeitgenössischen Musik“ – komponiert seit geraumer Zeit Stücke, in dem er seine Musiker mittels Click Track „fern dirigiert“. Die Signale für die Musiker (Click Track und auch choreografische Anweisungen) werden aus einem MAC (mit Logic) ausgespielt und per In Ear Monitoring Systemen den einzelnen Musikern per Funk zugespielt. In diesem aktuellen Stück  – Music for Oslo City Hall – werden insgesamt 27 Kanäle für 96 (sechsundneunzig!) Musiker benötigt. Die Musiker bewegen sich in der Halle und anliegenden Räumen – teilweise sogar außerhalb des Gebäudes.

Dies sind natürlich harte Anforderungen an das HF Setup des In Ear Monitoring Systems. Vor allem die Kombination von vielen kompatiblen Kanälen wie auch die extreme Reichweite des Signals, selbst durch einige Mauern hindurch, macht die Sache äußerst anspruchsvoll. Verständlich, dass ich am Samstag Abend kurz vor Mitternacht in einige müde Gesichter schaue. Ich lasse mich in das bisherige Setup einweisen, begehe mit dem Veranstalter eine Tour durch das alte, malerisch schöne Gebäude und spreche die kritischsten Dinge mit dem Komponisten ab.

Nun beginnt meine Nachtschicht. Zusammen mit Sebastian Schottke, dem Tonmeister, der die Click Track programmiert hat, gehe ich die einzelnen Kanäle durch und suche dazu passend das richtige Equipment. Mir stehen insgesamt 16 PSM 700 Sender (im KE Band) zur Verfügung und eine ganze Reihe neuer PSM 900 Sender unterschiedlichster  Frequenzbereiche. Das macht die Berechnung der kompatiblen Sender recht einfach, weil ein sehr weiter Frequenzbereich zur Verfügung steht.

Damit steht einem boosten des Signals nichts im Wege – denn die Kompatibilität ist gewährleistet und durch mehr Energie wird die Reichweite erhöht. Das Ziel des Setups: alle Kanäle mittels PA421 und PA821 Antennen-Combiner auf nur einen Ausgang zu kombinieren. Dieser wird auf einen 50 W Booster geschickt und an dessen Ausgang eine PA705 (passive Richtantenne) angebracht. Allerdings ist auf die maximale Eingangsleistung am Booster zu achten. Diese beträgt 1 W. Das hört sich erst mal nach einer Menge an – aber bei 27 zusammengelegten Signalen ist dies schnell erreicht.

Ein stumpfes Hochschalten der Sendeleistung am PSM 900 Sender klingt erst mal verlockend – aber bei zu viel Leistung wird die Kompatibilität „aufs Spiel gesetzt“. Bei so einem Einsatz bin ich froh, dass der P9T eine schaltbare Sendeleistung von 10, 50 oder 100 mW hat. Die Strecken, die die größte Reichweite erfordern schalte ich also auf 100 mW. Bei den anderen reichen 50 mW locker aus.

Nun steht die Programmierung der Empfänger an. Bei den PSM 700 Empfänger muss jeder durch ein manuelles Einstellen programmiert werden. Wesentlich schneller geht es mit den PSM 900 Empfänger. Mittels Infrarot Synchronisation sind die Empfänger in Sekundenschnelle auf die richtige Frequenz eingestellt. Nun wurde noch bei allen Empfängern der Squelch auf ein Minimum herunter gestellt. Denn dadurch wird die Reichweite drastisch erhöht. Natürlich lässt der Empfänger dann auch ein verrauschtes Signal zu – aber lieber ein verrauschter Click Track als gar kein Click Track.

Die Zeit verfliegt – und als das Setup endlich steht ist die Sonne längst aufgegangen. Zeit um ein kurzes Frühstück einzunehmen, denn die Musiker kommen in einer Stunde – dann gehen die Proben los.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich kein großer Freund der zeitgenössischen Musik bin – auch wenn mir der Zugang durch einige betreute Benedict Mason Konzerte inzwischen wesentlich leichter fällt – aber dieses neue Stück hat mich sehr schnell begeistert. Dazu trug natürlich auch die besondere Location bei  (auch wenn die meisten Mason Konzerte in sehr speziellen Räumlichkeiten wie auch alte Fabrikhallen statt finden). In erster Linie war es der recht große Chor der fast die Hälfte der Musiker ausmacht. Auch wenn es sich dabei natürlich nicht um einen „klassischen Chor“ handelt – denn es werden  eher nur Zischlaute, effs und kahhs gesungen – dazwischen auch mal ein Telefongespräch in norwegischer Sprache – aber  die menschliche Stimmen helfen einem sehr schnell in die musikalische Welt von Benedict Mason einzutauchen.

Und wem die klangliche Seite absolut nicht anspricht, der erlebt mit den Musikern dennoch eine faszinierende Reise. Denn der Zuhörer sitzt nicht an seinem festen Platz – sondern begleitet die Musiker, die während des etwa 1-stündigen Konzertes die Räumlichkeiten durchqueren und sich mal hier, bald dort niederlassen um mit ihren klassischen Instrumenten zu musizieren – oder auch mal in der Bibliothek ein Buch laut zuschlagen, Tischtennisbälle auf dem Konferenztisch springen lassen – oder gar mit Messern an Gläser schlagen, so als ob sie zu einer Rede ansetzen wollen.

Mich hat das Werk begeistert – und ich bin froh auf meinen technischen Support-Reisen auch manch solcher eher ausgefallene Konzerte beiwohnen zu dürfen.

Einige Impressionen der Proben:

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2 Kommentare zu “Technischer Support für 27 Kanal In Ear Monitoring Setup in Oslo

  1. Also ich finde diese Art der Arbeit total spannend. Es ist bestimmt anstrengend die ganze Nacht hindurch zu arbeiten, aber es hört sich sehr abwechslungsreich an und man lernt immer wieder neue Menschen und Orte kennen. Die Bilder von den Proben in dem Rathaus von Oslo sind wirklich eindrucksvoll. Ich war schon ein paar Mal in Oslo, habe es aber immer verpasst, das Rathaus zu besichtigen und hätte auch nicht gedacht, dass es von innen so schön aussieht. Ich bin auch kein großer Fan von klassischer Musik, aber das ganze Konzept hört sich schon sehr interessant an und ich hätte gerne mal Probe gehört.

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