Tagebuch des Montreux Jazz Festivals 2010 – Teil I

Michael Wolf

Michael Wolf

Michael Wolf ist der Shure Mann beim Montreux Jazz Festival. Er leistet einen 24h Service und Hilfestellung bei Mikrofonen, Funk- und In-Ear Systemen. Seinen exklusiven Einblick auf und hinter die Kulissen wird er hier im Shure Blog während des Festivals mit euch teilen:

30.06.: Ankunft Montreux 16.00 Uhr. Nach Check-In zum Festival Gelände. Schlüssel für´s Büro sowie Pässe und Parkticket abholen. Ausladen und Büro einräumen. Abholen der Promo- und Spare-Ware (2 Paletten) beim PA Verleiher (Niveau2). Niveau2 ist der PA Verleiher für´s Festival und einer unserer wichtigsten Kontakte während des Festivals. Treffe viele gute alte Bekannte aus den letzten Jahren. Die meisten Verantwortlichen bzw. Techniker arbeiten schon viele Jahre für das Festival.

01.07.: Sonnig. Pre-Show von Phil Collins mit Bigband in der Stravinski Halle. Komplette eigene Backline und Crew (Hyperson). 10 Kanäle UHF-R und 11 Kanäle In-Ear. Trotz Frequenzkoordination gibt es kleinere Probleme beim Soundcheck. Grund war schnell gefunden. Einige Journalisten hatten sich mit ihren Kameras direkt vor der Bühne platziert und ohne Rücksprache diverse Sendestrecken eingeschaltet. Allerdings kein Problem während der Show am Abend. Dem Publikum hat die Show offensichtlich gefallen, und das ist ja auch das Wichtigste. Coverversionen aus Soul der 60´s Motown Zeit. Unspektakuläre Show. Gute Band mit einigen Musikern die noch die original Platten mit eingespielt hatten. Sowie Chester Thompson an den Drums, Daryl Stuermer an der Gitarre. Ich bin allerdings eher ein Genesis Fan. Claude´s goldenes UR2/Beta58 Mikro, das ich jedes Jahr zum Festival mitbringe, ist auch wieder im Einsatz. Am Ende der Phil Collins Show wurde es von Claude Nobs und Quincy Jones für An- bzw. Abmoderation benutzt.

02.07.: Sonnig und sehr warm. Leider ist mein Hotline Telefon immer noch nicht eingetroffen. Muss etwas improvisieren. Bin zu meiner täglichen Routine übergegangen. Betreue insgesamt 12 Bühnen/Locations. Wobei die Hauptarbeit sich im Wesentlichen auf die 4 Bühnen Stravinski, Miles Davis, Jazz Cafe und Park Vernex bezieht. Alle anderen Locations werden jedoch auch immer wieder mal angesteuert. Treffe mich hauptsächlich mit den Monitor Engineers der Bands, um mit ihnen die Frequenzen abzustimmen. Die meisten Bands in Stravinski und Miles sind auf einer Tour und bringen entsprechend ihre eigene Backline mit. Meine Aufgabe besteht unter anderem darin, sämtliche Frequenzen im und um das Hauptgebäude zu koordinieren. Das heißt im Laufe des Nachmittags während der Soundchecks sammle ich alle Frequenzen und versuche mögliche Interferenzen bereits im Vorfeld zu erkennen und zu beheben.

Die beiden Hauptacts heute sind Roxy Music in der Stravinski Halle und Air in Miles Davis Halle. Hatte mich auf Roxy Music gefreut, da man die ja nicht so oft live sehen kann. Die Performance war dann aber eher etwas lau. Nach ca. 90 Minuten war ohne Zugabe Schluss. Und den wohl größten Hit „Avalon“ haben sie auch nicht gespielt. Das wäre als ob man auf ein Stones Konzert geht, und die spielen „Satisfaction“ nicht. Naja, es werden noch viele gute Konzerte die nächsten 2 Wochen zu genießen sein.

Backstage mit Christoph Stahel, Produktions Manager der größten Bühne in der Stravinski Halle

Interessant war die Band Air in Miles Davis Halle. Schöne Audio- und Visuelle-Effekte. Habe leider nur das Ende der Show gesehen. Zu erwähnen wäre noch, dass als Support Act in Stravinski John McLaughlin und Billy Cobham kurzfristig einsprangen. Da die eigentliche Support Band in Kanada feststeckte.

03.07.: Sonnig und noch wärmer. Schwitz…..! Bin auf meiner täglichen Routine Tour. Beim Aufbau und Soundcheck die diversen neuen Frequenzen einsammeln und entsprechend koordinieren. Am Abend die ersten paar Lieder von Norah Jones angehört. Nicht schlecht, aber nicht ganz mein Musikgeschmack. In Miles Davis Hall ging es dann schon etwas deftiger zur Sache. The Dead Weather haben die Halle gerockt. Schon eher was für meine Ohren.

Nachdem die Konzerte in Stravinski und Miles zu Ende waren, noch ein Abstecher ins Jazz Cafe. Dort spielte zu später Stunde eine US Südstaaten Rockband, 4 Gitarristen (!), Bass, Schlagzeug, Keyboards, mehrstimmiger Gesang. Geile Mucke.

04.07.: Immer noch sonnig und heiß. Ab ca. 17.00 Uhr Regen mit Unterbrechungen. Aber endlich kühlt es ein wenig ab. Ruhiger Tag eigentlich. Ist ja aber auch Sonntag. Üblicher Rundgang bei den Soundchecks. Diverse Smalltalks. Gala Night in Stravinski mit Brad Mehldau und Jessye Norman (Gospel und Spirituals mit Songs von Duke Ellington und George Gershwin). Sehr ruhige Angelegenheit.

In Miles spielt Chris Garneau (Solo Piano und Gesang). Kannte ich vorher nicht. Wider erwarten aber sehr  interessant. Eigenwilliger Stil mit hohem Wiedererkennungswert. Anschließend Charlotte Gainsbourg.

Als Abschluss wie üblich ins Jazz Cafe. Interessante Band Zusammenstellung, Schlagzeug, Keyboards und Sängerin. Aber die 3 haben das Publikum mitgerissen. Danach nochmal ein Trio bestehend aus Keyboards, DJ und Sängerin. Auch sehr interessante Performance.

In Stravinski spielen sicherlich die großen und bekannten Namen. Allerdings finden sich in der Miles Davis Halle und im Jazz Cafe oftmals die musikalisch interessanteren Bands und Künstler. Alles in allem eine sehr gemischte Musik und Band Auswahl. Ist eigentlich für jeden Musikgeschmack etwas dabei.

Die Uferpromenade bei Nacht

Ein Kommentar zu “Tagebuch des Montreux Jazz Festivals 2010 – Teil I

  1. Hallo Michael,
    du hast es wirklich gut…ich dachte, du musstest dort arbeiten.hi hi..
    Geniales Tagebuch!
    Danke für die so schöne Eindrücke.
    Halina

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