Backstage beim Montreux Jazz Festival 2013 – Teil 3

Wow, schon fast wieder eine Woche vergangen seit dem letzten Post. Ich hatte schon ein paar Mal angefangen zu schreiben. Aber dann ist immer wieder etwas dazwischen gekommen. Jetzt versuche ich es mal um 9.00 Uhr früh. Das waren aufregende und anstrengende Tage mit viel Arbeit und einigen „last Minute“ Aktionen. Ich versuche mal das wesentliche wieder zusammenzufassen:

20130713_002352Freitag 12. Juli war wieder die traditionelle Brasil Party in der Stravinski Halle. 3 Bands sorgten für das entsprechende Feeling. Leider war die Halle nicht sonderlich gut gefüllt. Um 20.00 Uhr ging es los. Ich habe die Halle selten so leer gesehen beim Konzertbeginn. Was waren das früher noch für schweißtreibende und ausgelassene Parties hier bei den Brasil Nights. Die Stimmung bei früheren Brasilianischen Abenden hatte das Gebäude vibrieren lassen, dass man es noch 2 Stockwerke tiefer in meinem damaligen Büro spüren konnte. Davon ist leider nicht viel übrig geblieben. Schade. Die Besucher die da waren hatten aber natürlich trotzdem ihren Spaß und die Stimmung war eigentlich auch nicht schlecht. Am späten Nachmittag die Ware für die Shure Voice Competition ins Montreux Palace gebracht.

Um 2.00 Uhr war Show Ende in Stravinski. Danach wurde die Bühne und der FOH Platz vorbereitet für Prince. Prince Aftershow Jam Jazz Lab 13. Juli #23 Tage mit 3 Shows mit Prince sollten folgen. Für Prince mussten 2 analoge Mischpulte besorgt werden. Monitor- und FOH Platz mussten deshalb neu konfiguriert und verkabelt werden. Prince ist aktuell nicht auf Tour und hatte demnach auch keine eigene Produktion dabei. Es wurden ausschließlich unsere für´s Festival bereitgestellten Mikros verwendet. Auf der Input Liste die Prince vorgegeben hatte standen ausschließlich Shure Mikros und drahtlos Systeme. Insgesamt im Einsatz waren 18 Kanäle Axient und die 10 Kanäle PSM 1000 InEar sowie diverse drahtgebundene Mikros. Da ursprünglich „nur“ 16 Kanäle Axient installiert waren musste ich noch einen weiteren Doppelempfänger integrieren.  Zudem noch 2 Kanäle UHF-R für die Ansagen. Anforderung von Prince waren 6 Shure Handsender mit SM58 Kapsel und 12 Taschensender mit Beta 98H/C Clipmikro für die Big Band. Prince´ Produktionsmanager hatte mehrmals beim Festival angefragt ob wir das tatsächlich alles hier haben. Er hatte nämlich bereits geplant die 18 Kanäle aus New York mit nach Montreux zu bringen. Der verantwortliche Sound Koordinator des Festivals hatte ihm erklärt dass wir (Shure) Technischer Partner des Festivals sind und er sicher sein kann dass alles gemäß seiner Input Liste verfügbar ist. Das hat ihn dann überzeugt. So gegen 5.30 früh war der Line Check abgeschlossen. Alle Funksysteme eingestellt und getestet. Um 9.00 war get-in für die Prince Crew und Aufbau der Backline. Ich selbst war so gegen 10.30 wieder in der Halle. Habe den Monitor Eng. von Prince kontaktiert und ihm „kurz“ Axient gezeigt.  Es ist sein erster Job für Prince und er wurde nur für diese 3 Shows gebucht. Aufbau ging gut voran und so gegen 15 Uhr war Soundcheck. Das heißt, Türen der Stravinski Halle wurden verschlossen und Zutritt nur für Band und Prince Produktion. Jetzt weiß ich auch warum die beiden analogen Midas Pulte aufgebaut werden mussten. Prince steht selbst am FOH und macht beim Soundcheck den Mix für die Band. Und er arbeitet halt lieber mit einem analogen Pult. Abends dann die erste von 3 Shows. Um kurz nach 20.00 Uhr ging´s los. Prince mit Big Band. Er selbst wird bei den ersten beiden Shows „nur“ singen. Keine Gitarre anfassen. Was kann man sagen zur Show. Mal abgesehen von einigen Rückkopplungen waren es 3 grandiose und natürlich schon lange ausverkaufte Konzerte. Den Anfang der Shows hatte ich im Büro über die Wireless Workbench Überblick auf die Funksyteme. Nach 3-4 Songs bin ich dann auch hoch in die Halle und habe das Konzert „Live“ angesehen. So gegen 21.45, die Prince Show war noch im Gange bekam ich einen Anruf vom Sound Koordinator des Festivals. Es wurde „kurzfristig“ eine Prince Aftershow Party geplant. Um 2.00 früh sollte diese in der Jazz Lab Halle im dritten Stock stattfinden. Dafür sollte das gleiche drahtlos Setup wie gerade in Stravinski im Einsatz verfügbar sein. D.h. 18 Kanäle. Ich fragte erst mal nach ob das evtl. ein Scherz ist. War es aber nicht. OK, was genau muss dann noch besorgt werden. 12 Kanäle sind schon vor Ort, also brauchen wir noch 6. Wäre eigentlich relativ einfach gewesen.  Allerdings sollte bei der Aftershow Party auch die Larry Graham Band spielen. Und dafür wurde schon ein Großteil der 12 Funksysteme benötigt. Insgesamt musste ich dann noch 12 weitere Kanäle mit Taschensender und Beta 98H/C Clipmikros besorgen. Die Mikros selbst waren schnell besorgt. Die konnten wir von Stravinski nach der Prince Show wieder verwenden. Taschensender und Empfänger habe ich dann von anderen Bühnen besorgt und entsprechend eingestellt. Um 1.30 Uhr hatte ich alles beisammen und auf der Jazz Lab Bühne verfügbar. Kurz darauf wurde mir mitgeteilt, dass nicht klar ist ob die Big Band von Prince überhaupt kommen würde. Man wird sehen. Um 2 Uhr ging es dann los mit der Larry Graham Band. Übrigens wurden zu dieser Prince Aftershow nochmal Tickets zu 100,- Franken verkauft. So gegen 3.00 Uhr kamen dann doch die 12 Bläser von Prince auf die Bühne. Allerdings ohne individuelle Mikrofonierung. Es wurden ein paar Handsender aufgestellt. Für eine Jam-Session auch völlig ausreichend. So gegen 3.30 kam dann Prince auf die Bühne. Er nahm sich eine Gitarre und spielte so ca. 2-3 Minuten. Dann ging er wieder von der Bühne. Kam nach ein paar Minuten wieder und setzte sich an die Hammond. Spielte ein wenig, vielleicht 3-4 Minuten und ging dann wieder. Kam noch einmal zurück um wieder 3-4 Minuten Gitarre zu spielen. Dann ging er endgültig. Gesungen oder gesagt hat er nichts. So gegen 4.00 war dann die Aftershow Party zu Ende. Mikros und Funksystem wieder abbauen und im Büro zwischenlagern. Ein Taschensender fehlte allerdings. Der wird erst 2 Tage später gefunden. Er war hinter ein Case beim Monitorplatz gefallen. So, das war Prince Show Tag 1. Um 5.30 müde ins Bett.

Prince Tag 2. Die Backline in Stravinski war ja bereits aufgebaut. Ich musste lediglich die Mikros wieder zurückbringen. Danach die für die Aftershow benötigten Funksysteme wieder auf die anderen Bühnen bringen und Frequenzen neu einstellen. Die Suche nach dem fehlenden Taschensender geht weiter. Wo kann er sein. Wir vermuteten dass es der Sender von Larry Grahams Bass sein müsste. Er hatte ein Schwanenhals Mikro direkt am Bass und daran den Taschensender. Nach einigem hin und her haben wir den Produktionsmanager von Larry Graham erreicht. Er wüsste, dass sein Basstechniker den Sender jemandem von der Backline gegeben hätte. Also alle von der Backline gefragt, keiner erinnert sich. Die Suche geht also weiter. So gegen 16.00 wieder Soundcheck in Stravinski. Alle Türen zu. Prince steht am FOH.  Show geht um 20.45 los. Gleiches Band Setup. Andere Songs. War gespannt was denn dieses Mal als Aftershow „Gag“ geplant war. Man hat lange nichts gehört. Nach der Show wurde dann bekannt, dass Prince eine private Jam Session im Jazz Club machen würde. Allerdings nur für sich, seine Band und die von Larry Graham. Kein Publikum! Private Party. Security sperrte den Jazz Club für Besucher. Die Techniker im Jazz Club mussten eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben um keine Details der Party nach außen zu tragen. In Stravinski wurde die Bühne/Backline für den nächsten Tag vorbereitet. Tagsüber  während der Proben, Aufbau und Test der InEar Systeme für die Voice Competition. Für die Jury und den Live Stream werden PSM 900 und SRH840 Kopfhörer verwendet. Die Jury Mitglieder haben die Möglichkeit die Performance alternative auch mal über Kopfhörer anzuhören.

Prince Show 3. Dieses mal ohne Bläsersatz, sondern Rockshow. Prince spielt heute auch endlich Gitarre. Zudem weibliche Unterstützung wie schon die beiden Shows zuvor am Bass, Schlagzeug und 2te Gitarre. Prince wechselt ab und zu noch zum Keyboard. Gleiches Soundcheckprozedere am Nachmittag. Wieder ein geniales Konzert. Am Ende das große Finale mit dem Bläsersatz und vielen Zuschauern aus dem Publikum auf der Bühne. Leider ohne die großen Hits. Die hatte er schon an den beiden Abenden zuvor gespielt. Egal, die Rockshow hat mir persönlich am besten gefallen. Wenn auch die beiden ersten Shows mit dem Bläsersatz musikalisch sicherlich weitaus anspruchsvoller waren. Soweit ich gehört habe ist evtl. eine DVD von diesen Konzerten geplant. Deshalb wurden so viel wie möglich Songs bei den 3 Konzerten gespielt. Den ganzen Tag wird über die Aftershow Party nach der dritten Show diskutiert und diverse Vorbereitungen getroffen. Prince hatte wohl die Idee diese im Casino in Montreux zu feiern. Problem: Dort ist lediglich ein leerer Saal. Keine PA, kein Licht, kein Mischpult, keine Backline, keine Kabel und natürlich auch keine Mikros oder Funksysteme. Aber wir sind ja schließlich beim Montreux Jazz Festival und machbar ist fast alles. Den ganzen Tag war die Produktion sozusagen auf Standby und wartete auf eine Entscheidung. Wobei warten nicht ganz richtig ist. Die benötigten Mikros und die Funksysteme hatte ich schon mal vorbereitet bzw. waren in meinem Büro zur Abholung verfügbar. Die PA Firma Skynight hatte vorsorglich einen Truck aus Genf angefordert, um das benötigte Material vom Festivalstandort zum Casino zu transportieren. So gegen 16.00 kam dann aber Bescheid, dass eine Party im Casino wohl kein Thema mehr ist. Soweit ich gehört habe nicht zuletzt aus Kostengründen. Aftershowparty fand dann wieder im Jazz Club statt. Dieses Mal nur Band, Familie und Freunde von Prince. Das waren also 3 Tage Prince beim Montreux Jazz Festival. Prince und Band hatten sichtlich Spaß in Montreux. Die letzten Worte von Prince nach dem 3ten Konzert waren: „This is our house now“. Könnte mir gut vorstellen, dass Prince künftig öfter beim Montreux Jazz Festival auftreten wird. Auf dem Heimweg ins Hotel habe ich noch einen der Sound Engineers des Stravinski Aufnahmetrucks getroffen. Er hat mir erzählt dass Prince direkt nach dem Konzert die Aufnahmen im Truck anhören wollte. Er war wohl  nicht ganz zufrieden mit dem Sound und den diversen Rückkopplungen und wollte sich anhören wie es auf der Aufnahme rüber kommt. Er hat sich dann aber anscheinend doch umentschieden und ist nicht gekommen.

StingDienstag 16. Juli Heute die „Hitmaschine“ Sting in der Stravinski Halle und The Hives sowie Mark Lanegan Band im Jazz Lab. Sting ist momentan auf Tour und reist dementsprechend mit eigener Produktion an. Ich kontaktiere wie üblich die Sound Crew und stimme die Frequenzen ab. Sehr entspannter und ruhiger Aufbau. Um 12.00 ist eigentlich schon alles fertig. Soundcheck gegen 16.30. Am späten Nachmittag 2 weitere Backstage Touren mit Gästen aus UK und Russland. Danach die Ware von der Voice Competition vom Montreux Palace abgeholt und zurück ins Büro gebracht. Abendessen mit unseren Gästen. Danach die Show von Sting aus dem FOH Platz angesehen. Erstes Konzert dieses Jahr das ich komplett gesehen habe  ;-). Vor 2 Jahren war Sing noch mit großem Orchester hier auf dem Festival. Dieses Mal wieder mit „normaler“ Rockbesetzung. Und er bedient das Publikum mit Hits. Riesen Stimmung. Das euphorische Publikum „zwingt“ ihn mehrmals zu weiteren Zugaben. Tolles Konzert.

Mittwoch 17. Juli Heute sind die Deutschen im Haus. Kraftwerk mit ihrer 3-D Show in Stravinski. Die Produktion kommt schon um 7.00 früh in die Halle. Es werden weitere 40 Speaker in der Halle installiert um den Surround Sound zu realisieren. Zusätzlich 4 Beamer unter die Decke gehängt und eine große Leinwand über die ganze Bühenbreite installiert. Instrumente sieht man keine auf der Bühne, lediglich ein drahtloses Headset ;-). Am Nachmittag noch eine Backstage Tour mit weiteren Gästen aus UK. Nach bis jetzt super Sommerwetter ziehen Wolken auf. Abends regnet es. Wird allerdings gegen Nacht wieder trocken. Allerdings kühlt es ganz schön ab. Die Show von Kraftwerk fängt um kurz nach 20.00 Uhr an. Es wurden 3-D Brillen verteilt und die Zuschauer warten gespannt was denn da kommen mag.  Ich mache es mir am FOH Platz gemütlich. 10 Minuten nach Showbeginn klingelt mein Telefon. Auf der Open Air Bühne im Park ist eine Band aus Argentinien angekommen. Mit diversen Funksystemen im Gepäck. Also raus um es mir vor Ort anzusehen. Im Rack verbaut waren diverse Sender und Empfänger. Unter anderem auch ein älteres PSM 700 System. Das Rack hatte offensichtlich schon bessere Tage gesehen und auch diverse Stürze hinter sich. Sehr abgerockte Geräte. Aber sie funktionieren offensichtlich noch. Beim PSM 700 System stellte sich heraus dass die Frequenz exakt auf eine Frequenz im Jazz Club passt. Der ist nur ein paar Meter hinter der Open Air Bühne im Gebäude. Also ein potentielles Risiko für Interferenzen.  Zudem der Sender des PSM 700 auf 100mW ausgelegt war.  Nach Problembehebung zurück zu Kraftwerk. Die Musik ist nicht wirklich mein Geschmack, aber durchaus interessant gemacht und mal was anderes. Allerdings stellenweise etwas lahm. Erst gegen Schluss wurden die Beats etwas schneller. Habe an der Bar dann von einigen Zuschauern auch gehört, dass sie es langweilig fanden. Soweit möchte ich nicht gehen. Ich habe ja nicht die ganze Show komplett gesehen. Nach der Kraftwerk Show habe ich mich mit den Sound- und Produktionsverantwortlichen des Festivals getroffen. Planung für die Quincy Jones 80th birthday Party Show, die am Sonntag das Festival beenden wird. Proben für die Show sind am Freitag und Samstag im Untergeschoss des Petit Palais, gegenüber des Montreux Palace. Dafür werden diverse Mikros, InEars und drahtlos Systeme benötigt. Anschließend bin ich noch wie üblich bei den anderen Bühnen vorbei. War allerdings außer DJ´s und der Jam Session im Club nichts mehr geboten. Ich bin dann doch tatsächlich schon um 1.00 zurück ins Hotel. Schlafen…

Ein Kommentar zu “Backstage beim Montreux Jazz Festival 2013 – Teil 3

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