Hyperniere oder breite Niere? Beides! Das Shure KSM9HS

KSM9HS (H für Hypercardioid – Hyperniere, S für Subcardioid – breite Niere)

KSM9HS (H für Hypercardioid – Hyperniere, S für Subcardioid – breite Niere)

Im Jahr 2005 stellte Shure erstmals das Gesangs-Kondensatormikrofon KSM9 vor. Und schon damals fand die Möglichkeit, durch einen Schalter die Richtcharakteristik von Niere auf Superniere umzustellen, große Aufmerksamkeit. Ursprünglich war es angedacht, dass das KSM9 nur als Kapseloption für den Handsender des Shure Funksystems UHF-R erhältlich sein sollte, aber wir haben schnell eingesehen, dass wir das KSM9 auch als kabelgebundenes Mikrofon auf den Markt bringen mussten.

Schließlich steht das Mikro bei Toningenieuren hoch im Kurs. Nehmen wir beispielsweise John Mills: „Das KSM9 ist ein robustes Mikro mit einem Sound, der es problemlos mit den besten Studiomikrofonen aufnimmt. Ein echter Tipp für alle, die ernsthaft Gesang abnehmen wollen.“

Und auch das Magazin „Pro Audio Review“ ist voll des Lobes: „Dieses Mikrofon klingt genauso, wie man es von einem guten Live Mikrofon erwartet. Es bietet die brillante Klarheit eines Großmembran Studiomikrofons und ist dabei für Live-Anwendungen einsetzbar. Es ist knackig, ohne zu hart zu klingen und gleichzeitig warm und natürlich. Perfekt für eine originalgetreue Stimmwiedergabe.“

Nachdem die Profis überzeugt waren, folgten zahlreiche Künstler, darunter Erykah Badu, James Taylor und Buddy Guy. Bei Shure in der Firmenzentrale in Niles schwebte aber nun die Überlegung im Raum, ob man das KSM9 nicht noch weiter verbessern könnte. Und so fragten sich die Shure Ingenieure: „Was, wenn wir ein KSM9 mit schaltbarer Hyperniere und breiter Niere herausbringen würden?“

Tja, und nun ist dieses „was wäre, wenn“ auf dem Markt. Im Oktober letzten Jahres präsentierte Shure stolz das neue KSM9HS Vocal-Mikrofon. Um zu verstehen, was sich genau hinter dieser Version verbirgt, haben wir uns mit Soren Pederson unterhalten. Soren arbeitet als Product Specialist bei Shure Incorporated und, wie es sich für einen Shure Mitarbeiter gehört, ist natürlich auch selbst im Musikbusiness unterwegs und betätigt sich hin und wieder als Recording Engineer. Wir haben ihn also gefragt, was denn nun an diesem Mikro so besonders ist.

Wodurch unterscheiden sich KSM9 und KSM9HS?

Zunächst einmal haben beide Mikros etliche Gemeinsamkeiten, wie z. B. die Doppelmembran oder auch den Erschütterungsabsorber. Der Unterschied liegt in den Richtcharakteristiken. Beide KSM9s sind mit schaltbaren Charakteristiken ausgestattet. Beim KSM9 kann man zwischen Niere und Superniere wählen, beim KSM9HS zwischen breiter Niere und Hyperniere.

Das klingt nach einem sehr feinen Unterschied. Wie kam es dazu?

Bei Shure hat das Feedback unserer Kunden einen sehr hohen Stellenwert. Als wir mit KSM9 Anwendern gesprochen haben, haben wir folgende Wünsche herausgehört:

1)    Einen minimierten Nahbesprechungseffekt und

2)    Mehr Rückkopplungsfestigkeit

Wir haben daraufhin festgestellt, dass es möglich wäre, ein KSM9 zu produzieren, das, dank zwei neuen Richtcharakteristiken, eine Lösung für beide Kundenwünsche bieten sollte. Die breite Niere sorgt für einen enorm reduzierten Nahbesprechungseffekt. Das liegt daran, dass sie der Kugelcharakteristik ähnelt und damit auch deren Eigenschaften. Die Hyperniere weist eine sehr hohe Unterdrückung von Nebengeräuschen auf, mehr noch als die Superniere. Das liefert bessere Isolation der Vocals und minimiert das Feedbackrisiko.

ksm9hs_polarfrequency1Hat Shure davor schon mal ein Mikro mit Hyperniere oder breiter Niere hergestellt?

Tatsächlich ist dies das erste Shure Hand-Mikrofon mit diesen Richtcharakteristiken. Es gibt ansonsten noch ein Kopfbügelmikrofon mit Hyperniere, das WCM16, das sich übrigens ebenfalls für Gesangsanwendungen eignet.

Meistens kommen Mikros ja entweder im Live- oder im Recording-Bereich zum Einsatz. Wo passt das KSM9HS da am besten hin?

Sowohl das KSM9 als auch das KSM9HS wurden für die Bühne entwickelt. Falls ein Künstler jedoch im Studio auch gerne mal auf ein Handmikrofon zurückgreifen möchte, machen auch dort beide Varianten eine großartige Figur.

Zwischenzeitig haben wir gelernt, dass man beim KSM9 zwischen Niere und Superniere und beim KSM9HS zwischen breiter und Hyperniere wählen kann. Was wären denn typische Einsatzgebiete für die HS Version?

Ohne Grill wird die Sicht frei auf den Schalter, mit dem man die Charakteristik wählen kann

Ohne Grill wird die Sicht frei auf den Schalter, mit dem man die Charakteristik wählen kann

Die Anwendungsmöglichkeiten sind recht unterschiedlich; das ist auch der Grund, warum sich das HS so vielseitig einsetzen lässt.

Die Hyperniere garantiert eine großartige Isolierung und liefert fülligen, warmen Sound. Gerade die Isolierung ist ein Riesenvorteil auf lauten Bühnen, in denen sich Bühnenmonitore, Gitarrenverstärker und Drums tummeln, deren Einstreuungen oftmals zu einem verwaschenen Gesang führen. Allerdings äußern viele bei der Hyperniere Bedenken wegen des Nahbesprechungseffekts. Dazu muss man wissen, dass die KSM9 Kapsel über eine Doppelmembran verfügt. Die beiden Membrane minimieren den Nahbesprechungseffekt und liefern einen natürlichen Bassbereich.

Entscheidet man sich für die breite Niere, liefert das Mikro auf der einen Seite mehr Details,  fängt aber auch mehr Umgebungsgeräusche ein. Es eignet sich also eher für leisere Bühnen oder bei Anwendung von In-Ear Monitoring. Die breite Niere hat einen äußerst geringen Nahbesprechungseffekt und liefert ein unglaublich gut klingendes Low End. Zudem klingt sie sehr offen und wird beispielsweise auch gerne für Interviews verwendet.

Das Mikro gilt bei Shure intern als „Problemlöser“. Kannst Du uns einige Probleme nennen, bei denen es zum Zug kommt?

Das größte Problem, das das KSM9HS meistert ist natürlich das der Rückkopplungen. Kondensatoren sind im Allgemeinen empfindliche Mikrofone, die mehr Details liefern als dynamische. Allerdings nimmt das Feedbackrisiko mit zunehmender Bühnenlautstärke zu.

Stellt man das KSM9HS auf Hyperniere, werden Nebengeräusche reduziert und das Rückkoppel-Risiko wird minimiert. Für Bands, die auf In-Ear Monitoring setzen, ist Feedback ohnehin kein großes Thema, doch auch da kann das KSM9HS punkten. Es minimiert die Aufnahme von Störgeräuschen durch die Drums oder Gitarrenverstärker und liefert so einen klareren und besser klingenden In-Ear Mix.

Welche Künstler durften das KSM9HS als Beta-Tester im Vorfeld ausprobieren? Und wie fiel ihr Urteil aus?

Unsere Beta-Tester waren sehr angetan von KSM9HS. Unter ihnen waren z. B. Stars wie Kenny Chesney, Cage the Elephant, Drive by Truckers und Mastodon. Die meisten von ihnen fahren ganz sportliche Pegel bei ihren Auftritten. Sie alle waren vorher bereits Fans des KSM9, wünschten sich aber mehr Rückkopplungsfestigkeit. Als sie dann das KSM9HS in der Hypernieren-Version ausprobierten, waren sie von der Verbesserung schlichtweg begeistert.

Mehr Infos zum KSM9HS gibt es in folgendem Video:

Ein Kommentar zu „Hyperniere oder breite Niere? Beides! Das Shure KSM9HS

  1. Die KSM9 sind für mich gerade bei A capella-Anwendungen erste Wahl. Als Hyperniere ließen sich zusätzlich noch die dank Notenpulten häufig großen Abstände sowie das daraus resultierende Übersprechen kompensieren. Klingt erstmal sehr interessant.

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