John Mills und der perfekte Soundcheck

JohnMillsJohn Mills arbeitet als Sound Engineer, ist zudem Vizepräsident von Morris Light & Sound www.morrislightandsound.com und veröffentlicht regelmäßig Beiträge auf seiner TechTraining101.com Homepage, die eine Reihe von Ratschlägen für angehende Ingenieure bietet. John verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Live Sound.

Diesen Sommer stellte er das Equipment für die 23-Städte umfassende Kenny Chesney/Tim McGraw Tournee „Brothers of the Sun“ bereit, für deren technische Umsetzung er verantwortlich war. Die Tour ging mit zwei ausverkauften Shows im Gillette Stadion in Massachusetts zu Ende, bei denen über 110.000 Fans anwesend waren und damit alle bisherigen Rekorde des Ticketverkaufs gebrochen hatten.

Gerüchten zufolge wurden 69 Trucks benötigt, um das Equipment von Stadt zu Stadt zu transportieren. Tatsächlich war das Aufgebot laut John noch viel eindrucksvoller: 22 Tour-Busse, 39 LKWs für die Bühne, 40 für die Technik und allein 10 für die Planen, um das Gras in den Stadien zu bedecken. Macht in Summe 111 Fahrzeuge.

Die 11köpfige Soundcrew sorgte dafür, dass der Klang auch die Tausende von Dollar rechtfertigte, die einige Ticketjäger für ihre Plätze in den ersten Reihen bezahlten. Viele Trucks, viele Termine, viele Crewmitglieder und viele Soundchecks. Die wenigsten Leser werden mit einem solchen Aufgebot unterwegs sein, daher haben wir John gebeten, seine Meinung zu „normalen“ Soundchecks abzugeben. Dabei sind die einzelnen Schritte identisch, egal, ob der Auftritt in der Kneipe um die Ecke oder in einer riesigen Halle stattfindet.

In seinem Büro in Nashville und in seiner Funktion als Vizepräsident von Morris Light & Sound, hat er den Prozess in drei Abschnitte unterteilt:

Der Line Check ist der Vorgang, bei dem sichergestellt wird, dass alles korrekt eingestöpselt ist und jedes Funkmikrofon, jeder Monitor, Lautsprecher, Subwoofer usw. funktioniert. Liebe Engineers, das ist etwas, was vor jeder Performance passieren sollte und zwar bevor die Band eintrifft. (Auf www.TechTraining101.com gibt es hierzu eine entsprechende Checkliste im Artikel „Check/Re-Check“)

Beim Soundcheck steht der Engineer im Vordergrund. Liebe Band, Ihr solltet ein paar Takte eines Songs anspielen, welchen ihr an diesem Tag performen wollt – und zwar nicht nur mit 50 % der Lautstärke oder einem schüchternen „Check 1, 2“.

Dabei legen wir die Dinge fest wie Gain und EQs, die beiden wichtigsten Dinge für einen Musiker. Wenn der Check zu leise erfolgt, werden wir Euch hochdrehen, aber wenn Ihr während der Show alles gebt, müssen wir Euch wieder runterregeln. Und da liegt auch das Problem der meisten Mixe. Wenn Ihr mir einen echten Check gebt, stehen die Chancen gut, dass ich während der Live Performance nicht mehr eingreifen muss.

Es gibt aber noch andere Stolpersteine. Beispielsweise bitte ich oft den Schlagzeuger, sein komplettes Drum-Set eine Minute lang zu spielen. Die meisten Drummer spielen unbewusst deutlich leiser, wenn ich erst nach der Kick-Drum, dann nach der Snare usw. frage. Bei den Sängern habe ich vorher bereits die Gitarre oder das Keyboard gecheckt, so dass sie dann zusammen mit dem Refrain loslegen können und nicht alleine vor sich hinsingen müssen.

Wenn wir uns durch die ganzen Eingänge gekämpft haben, lasse ich die komplette Band einen Refrain o. ä. spielen. Das ist dann meistens jeden Tag der gleiche Song. Wenn man mal einen gefunden hat, bei dem alle harmonisch performen, empfiehlt es sich, diesen regelmäßig zu verwenden, da sich so jeder daran gewöhnt.

Als nächstes erkundige ich mich, wer was auf seinem Monitor hören möchte und treffe die entsprechenden Vorkehrungen. Wenn die Band individuelle Monitore nutzt, ist jetzt die Zeit für Änderungen.

Die Band ist natürlich froh, wenn wir uns beeilen. Man kann immer noch mal zurückkommen und ein bisschen Fine Tuning betreiben. Aber wenn Du 10 Minuten mit der Suche nach der „perfekten“ Kick-Drum zubringst, verlieren alle anderen das Interesse.

Probe. Sag zur Band “Ich bin fertig mit den Einstellungen – Muss bei irgendjemanden etwas verändert werden?“ Lautet die Antwort darauf „Ja“, nimm die Änderungen vor und lass die Band noch ein paar Takte spielen. Sobald alle zufrieden sind, geht es weiter.

Wir nehmen uns ein paar Minuten (FOH-Jungs, wirklich nur ein paar – weniger als zehn) und stimmen alle Instrumente, so dass wir den ersten Akkord anschlagen können. Dabei kann es natürlich noch immer zu Änderungen im Mix kommen, aber im Prinzip sollte man da schon auf der sicheren Seite sein.

An die Künstler: Während der Probe behält sich der Sound Ingenieur das Recht vor, mit dem Sound zu experimentieren. Sound-Menschen – bitte nehmt Euch die Zeit zu schauen, wie laut die Bühne wird. Nehmt die Drums hoch und runter, schaltet die Subwoofer ein und aus. Nehmt Euch die Zeit und seht, wie die Instrumente reagieren. Aber macht das möglichst schnell, da natürlich auch wir wollen, dass die Band proben kann.

Wenn Ihr Euer Gain soweit habt, nehmt keine Änderungen mehr daran vor. Nicht während des Soundchecks und erst recht nicht nach der Probe. Es gilt: Finger weg von den Reglern. Lasst es mich so sagen: Wenn ein Signal nicht gerade im Begriff ist, die rote LED um Meilen zu durchbrechen, lasst es einfach in Ruhe. Daher ist es so wichtig, dass wir das Gain während des Soundchecks bereits korrekt eingestellt haben und dass die Band uns realitätsnahe Sounds geliefert hat. Wenn Ihr permanent am Gain herumschraubt, verändert ihr den Mix der Künstler.

Was kann sonst noch den Mix eines Musikers beeinflussen? Der Raum und die Zuhörer. Ein Soundcheck ist immer etwas ganz anderes als der eigentliche Auftritt. Ich rate dazu, den Soundcheck immer etwas lauter zu fahren als während der Show. Natürlich wird dieser einem recht laut vorkommen, so ganz ohne Publikum. Das liegt daran, dass der menschliche Körper zum Großteil aus Wasser besteht (und wir haben gelernt, dass große Mengen Wasser Klang am besten absorbieren). Es ist normal, dass der Soundcheck lauter ist als die Performance. Dabei kann das auch helfen, um Feedback-Probleme von vornherein auszuschließen. Wenn das Publikum reinkommt, absorbieren sie einen Teil des Sounds und verändern damit den Klang.

Nun dürfte einem perfekten Soundcheck – und somit einem gelungenen Gig – nichts mehr im Weg stehen. Vielen Dank für die Tipps John!

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